Demandowskys Ufa-Kritik im Völkischen Beobachter

"Reste von Parlamentarismus"

Demandowskys Ufa-Kritik im Völkischen Beobachter

Ewald von Demandowskys Ufa-Kritik im Völkischen Beobachter vom 10. März 1937

Der Reichsfilmdramaturg und SS-Mann Ewald von Demandowsky, späterer Produktionschef der Tobis, skizzierte am 10. März 1937 im Völkischen Beobachter das Ufa-Signet aus der Nazi-Perspektive: "Es ist gar kein Geheimnis, wenn man es ausspricht: Ufafilm bleibt Ufafilm. Das war vor Jahren so, das ist es heute noch, die Filme ähneln sich alle, sie tragen das Firmenzeichen nicht nur auf dem Vorspann, nein, es überflattert die Idee, es beherrscht die Szene, formt jeden Schauspieler, beeinflußt alle Mitwirkenden, es beharrt, aber es belebt nicht."

Die fehlende "Belebung" versteht sich hier im Sinne der NS-Ideologie. Von Demandowsky beschwört deutlich jene Haltung der Filmindustrie, die Propaganda-Minister Goebbels schon im März 1933 forderte, als er ankündigte, der Film solle "völkische Konturen" erhalten, und Kunst sei nur dann möglich, "wenn sie mit ihren Wurzeln in das nationalsozialistische Erdreich eingedrungen" sei: "Es belebt wirklich nicht", fährt von Demandowsky fort, "denn sind die Erzeugnisse der Babelsberger Werkstätten auch mit Großzügigkeit gemacht, technisch sauber und im Handwerklichen richtig, so hinkt das Künstlerische, will sagen, das Lebensnahe und. Echte, um zehn Jahre hinterher. Es muß hinterherhinken, und wenn nicht um zehn, dann wenigstens um vier Jahre."

Als Kern des Problems, warum die Ufa im Frühjahr 1937 noch nicht gänzlich auf Linie sei – in diesem Jahr stellte z.B. Reinhold Schünzel mit "Land der Liebe" seinen letzten deutschen Film fertig, bevor er trotz seiner Sonderarbeitserlaubnis als sogenannter "Halbjude" emigrierte – macht von Demandowsky den "Parlamentarismus" aus. Als Vertreter des totalitären Nazi-Regimes klagt er etwaige Reste von Demokratie an, und formuliert implizit den Wunsch nach der Verstaatlichung der Ufa, nach maximaler Kontrolle:

"Im Jahre 1933 ist nämlich auch der Parlamentarismus verschwunden (das muß laut in die Babelsberge gerufen werden, wenn es auch kein Echo bei dem Sande gibt), jene eigenartige Maschinerie von Meinungserzeugung und Ausverkauf, die wohl nicht näher beschrieben zu werden verdient. Es gibt da und dort noch Reste von Parlamentarismus, so wie es noch im Frühling Schneereste gibt, und einige haben Heimstatt und Pflege in den dramaturgischen Büros und den Vorstandsräumen (oder gar in den Gemächern des Aufsichtsrates der Ufa?) gefunden, wo sie mit Hingabe und Liebe gehegt und gepflegt werden. Und zwar derartig, daß sie sich, ein politisches Wunder, bis zum heutigen Tage erhalten haben."

Gerade der Zeitpunkt dieses Aufrufs zur einheitlichen Verpflichtung auf die Ideale der Nazis, der Appell an die Ufa zur uneingeschränkten Linientreue, ist aus heutiger Perspektive hoch interessant: Neun Tage später, am 19. März 1937 gelingt der staatlichen Führung die verdeckte Übernahme der Ufa durch die Cautio-Treuhandgesellschaft.