Der Mann, der seinen Mörder sucht

Der Mann, der seinen Mörder sucht

Deutschland 1930/1931, Spielfilm

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Das Spiel mit dem Mord

Was für ein frecher, kecker, dreister Film! Der junge Regisseur Robert Siodmak (er ist beim Dreh gerade dreißig) setzt sich über alle Konventionen hinweg, zeigt den etablierten Filmern, dass es auch völlig anders geht und setzt eine Story in Gang, die mit dem makabren Thema Suizid spielt. Der bankrotte (und feige) Hans Herfort (Heinz Rühmann) steht vor dem Spiegel, setzt sich die Pistole an die Schläfe, aber gerade als er abdrücken will, klirrt die Scheibe und ein Einbrecher steht vor ihm. Hans schlägt ihm ein Geschäft vor: wenn du mich tötest, bekommst du 15.000 Mark. Sie setzen einen Vertrag auf (mit zwei Durchschlägen). Ganz bürokratisch - „Ich, Endunterfertiger“. Erster Versuch: Hans spielt Klavier. Der potentielle Mörder zielt auf ihn von hinten. Doch der Chopin ist ihm zu traurig: „Spiel was Lustiges“. Dann malt er dem Hans ein Kreuz auf den Rücken, damit er besser trifft. Jetzt spielt Hans eine lustige Polka. Da fällt ein Stuhl um. Der Einbrecher drückt nicht ab, frustriert: „Auf Bestellung kann ich das überhaupt nicht“. Die Tötung wird zum „Running gag“ (Prümm). Dann aber verliebt sich Hans in die hübsche Kitty (Lien Deyers) und nun will er plötzlich doch weiter leben. Mit knapper Not entkommt er den haarsträubenden Versuchen, ihn umzubringen. Mit am Drehbuch hat Billie Wilder gearbeitet. Dieses Thema des vergeblichen Selbstmordes hat er in seinen Filmen immer wieder abgewandelt (z.B. „The Odd Couple“, „Buddy, Buddy“). Eine turbulente Kriminalgroteske, bei der das Lachen allerdings im Halse stecken bleibt. Mit der Verzweiflungstat Selbstmord wird gespielt, es werden die Dinge einfach auf den Kopf gestellt. Zum Schluss kracht alles zusammen und als der Staub sich lichtet, treten Hans und Kitty zu ihrer Hochzeit vor die Fahne „Einigkeit macht stark“, strecken die Hände zum Himmel - und lassen sich Handschellen anlegen. Was ist schlimmer, scheint der Film zu fragen - Mord oder lebenslange Ehehaft? Soviel Ironie und Unverschämtheit in einem einzigen Film hat sich in Siodmaks Biografie nicht wiederholt. Bei Billie Wilder schon eher.

Credits

All Credits

Director:Robert Siodmak
Assistant director:Carl Winston
Screenplay:Ludwig Hirschfeld, Kurt Siodmak, Billy Wilder, Robert Siodmak (ungenannt)
based on:Ernst Neubach (Bühnenstück "Jim, der Mann mit der Narbe")
Director of photography:Konstantin Tschet, Otto Baecker
Production design:Robert Herlth, Walter Röhrig
Make-up artist:Emil Neumann, Maria Jamitzky
Editing:Viktor Gertler
Sound:Fritz Thiery
Music:Friedrich Hollaender
Conductor:Franz Wachsmann
Lyrics:Billy Wilder, Friedrich Hollaender
  
Cast: 
Heinz RühmannHans Herfort
Lien DeyersKitty
Raimund JanitschekEinbrecher Otto Kuttlapp
Hans LeibeltGeneraldirektor Adamowski
Hermann SpeelmansJim
Friedrich HollaenderVorsitzender des Vereins "Weiße Weste"
Gerhard BienertSchupo
Eugen BoralMitglied des Gesangsvereins
Otti DietzeWirtin im Lokal
Victor PalfiFreund von Hans
Franz Fiedler
Eberhard Mack
Wolfgang von Waltershausen
Erik Schütz
Hermann Blaß
Roland Varno
Fritz Odemar
  
Production company:Universum-Film AG (UFA) (Berlin)
Producer:Erich Pommer
Unit production manager:Eberhard Klagemann
Location manager:Eduard Kubat, Carl Winston
Shoot:10.1930-12.1930: Berlin (Funkturm, Rundfunk, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche)
Distributor:UFA-Filmverleih GmbH (Berlin)
Rating:
Length:9 Akte, 2672 m, 98 min
Format:35mm, 1:1.19
Picture/Sound:s/w, Tobis-Klangfilm
Rating:Zensur (DE): 07.01.1931, B.27849, Jugendverbot
Screening:Voraufführung (DE): 17.01.1931, Berlin, U.T. Turmstraße;
Uraufführung (DE): 05.02.1931, Berlin, Gloria-Palast

Titles

Originaltitel (DE) Der Mann, der seinen Mörder sucht
Arbeitstitel (DE) Der Himmelskandidat
Verleihtitel (DE) Jim, der Mann mit der Narbe

Versions

Original

Length:9 Akte, 2672 m, 98 min
Format:35mm, 1:1.19
Picture/Sound:s/w, Tobis-Klangfilm
Rating:Zensur (DE): 07.01.1931, B.27849, Jugendverbot
Screening:Voraufführung (DE): 17.01.1931, Berlin, U.T. Turmstraße;
Uraufführung (DE): 05.02.1931, Berlin, Gloria-Palast
 

Prüffassung

Verleihtitel (DE) :Jim, der Mann mit der Narbe
Length:5 Akte, 1455 m, 53 min
Rating:Doppelprüfung (DE): 01.10.1937, O.07884, Verbot;
Doppelprüfung (DE): 28.10.1933, B.34859, Jugendverbot