DORA oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern

DORA oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern

Schweiz / Deutschland 2013-2015, Spielfilm

Inhalt

Dora or The Sexual Neuroses of Our Parents

When her mother decides to stop administering medication to her mentally challenged daughter, 18-year-old Dora awakes, as if from a deep sleep. Dora discovers her body, her sensuality and finally, sex, too. Her parents are shocked by Dora's sudden unbridled lust for life and, when she gets involved with a man she meets at her market stall vendor job, they are furious. Seeing her relationship as unscrupulous and abusive, they demand their daughter stops seeing her lover. But their efforts are to no avail and, when Dora's affair leads to a more serious situation, everyone has to reassess the limits of their relationship to each other, and reconsider such topics as self-determination, trust and jealousy.

Courageous, necessary and sensitive – Stina Werenfels's adaptation of Lukas Bärfuss's stage play is a fearless and moving drama about letting go. The tender, subjective shots that capture the beauty of the world as Dora sees it are as much a part of the film's success as is the portrait of a desperate mother, having to cope with life's pitfalls.

Source: 65. Internationale Filmfestspiele Berlin (Catalogue)

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Ein irrer Film und besser als sein Titel...

„Dora – oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern“ ist kein sozialpädagogisches Rührstück, sondern ein schriller, herausfordernder Spielfilm über ein junges, geistig behindertes Mädchen, das hemmungslos seine Lust ausleben will. Der herausragende Film mit dem seltsamen Titel kommt jetzt in die Kinos.

Dora (Victoria Schulz) hat blaue Flecken, nachdem sie lange den schönen Peter (Lars Eidinger) verfolgte und der sie dann – naja, das ist die Sicht ihrer Eltern – vergewaltigte. Dem schönen Mädchen mit der geistigen Behinderung gefällt der ruppige Sex sehr gut, während ihre Eltern außer sich sind. Die alarmierte Polizei unternimmt nichts, denn Dora ist mündig und hat keine gesetzliche Betreuung.

Ihre stark sedierenden Medikamente hat die Mutter (Jenny Schily) am 18. Geburtstag abgesetzt: Verwischte Nahaufnahmen, verschwommene Hintergründe in wackelig gefilmten Bildern lassen uns Zuschauer die jahrelange Dämpfung von Doras Wahrnehmung erahnen. Doch nun wird das ganze Leben eine aufregende Entdeckungsreise für das aus ihrem Dornröschenschlaf geweckte Mädchen. In der Badewanne spielt sie unter den Augen der Mutter an sich herum, von ihrem Vater will sie Zungenküsse, sie begrabscht den Mann einer Freundin und fordert: „Ich will auch ein Paar sein!“ Aber Dora spürt auch ihre Behinderung, „Ich bin kein Mongo!“, kreischt sie die Eltern an, „ich will nicht anders sein.“ Immer wieder trifft sie Peter zum hemmungslosen Sex, ihre Eltern verzweifeln und spüren offensichtlich die eigene Verklemmtheit.

Die weitere, spannende Entwicklung Doras wird hier nicht verraten, doch der Film erzählt nicht nur eindimensional ihre Geschichte. Auch die Perspektive der frustrierten Mutter, die sich nach einem weiteren „normalen“ Kind sehnt, fordert zur Identifikation heraus. Während sie jedoch nicht schwanger werden kann, baumelt über der Tochter das Damoklesschwert der Schwangerschaft: Dora will niemals wieder Pillen nehmen. Ein kleines bisschen Selbstverwirklichung gesteht sich die Mutter dann doch durch das von ihr kreierte Catering auf bizarren Burlesque-Festivals zu.

Der Film traut sich, die Überforderung dieser verdrossenen Mutter zu zeigen: Statt eine verlässliche Bastion der heilen Welt zu sein, quillt aus ihr immer wieder Wut auf die enthemmte Tochter heraus. Der Film zersetzt nicht nur dieses Tabus, sondern stellt auch andere infrage: Hört die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung beim Sex oder Kinderwunsch auf? Und er stellt Klischees auf den Kopf, ist das, was Peter mit Dora anstellt, „sexuelle Ausbeutung“? Oder fasziniert ihn die – von ihm geweckte – unzivilisierte Begierde des jungen Dornröschens? Wie die Wahnsinnigen tanzen und schreien die beiden manchmal enthemmt im Wald herum. Von der Kamera werden diese bacchantischen und erotischen Bilder großartig eingefangen.

Die für den Film bei einem Streetcasting entdeckte – nicht behinderte – Victoria Schulz spielt ihre Figur exzellent. Sie hatte etwas „Angst vor der Rolle “, nach den Dreharbeiten „vermisste“ sie die kraftvolle und sinnliche Dora. Eidinger ist wirklich der Böse, „verpiss Dich!“, rotzt er als Peter die hilflose Mutter an, doch im Laufe des Films verfällt er immer stärker seiner wollüstigen, scheinbar ungleichen Geliebten. Dora zieht nicht nur Peter in ihre sinnliche Welt hinein, sondern auch uns Zuschauer, und so taumeln wir immer wieder zwischen Entsetzen und Faszination. Berührt, verwirrt, mit vielen Fragen entlässt das Kino uns in die Wirklichkeit.

Credits

All Credits

Director:Stina Werenfels
Assistant director:Franca Drewes
Script supervisor:Christine Hopert
Screenplay:Stina Werenfels
Co-Autor:Boris Treyer
Director of photography:Lukas Strebel
Assistant camera:Florian Trautwein
2nd Camera unit:Jochen Keller
Lighting design:Christoph Schobert
Production design:Beatrice Schulz
Property master:Ole Kloss
Stand-by props:Anna-Maria Thönelt
Make-up artist:Lilli Müller, Sandra Stockmeier
Costume design:Brigitte Fuchs
Editing:Jann Anderegg
Sound design:Peter Bräker
Sound:Uve Haußig
Sound assistant:Martin Ehlers
Casting:Britt Beyer, Nina Haun, Tanja Schuh, Susan Müller
  
Cast: 
Victoria SchulzDora
Jenny SchilyKristin
Urs JuckerFelix
Lars EidingerPeter
Inga BuschBarbara
Renato SchuchAnton
Thelma BuabengMaria
Nele WinklerSara
Karina FallensteinSusanne
Knut BergerDr. Neumann
Hildegard SchroedterFrau Heise
Teresa HarderFranzi
Marcus KaloffProfessor
  
Production company:Dschoint Ventschr Filmproduktion AG (Zürich)
in co-production with:Aleppo films (Zürich), NiKo Film (Berlin)
Producer:Karin Koch, Samir
Co-Producer:Nicole Gerhards, Stina Werenfels
Executive producer:Dorissa Berninger
Line producer:Sereina Gabathuler
Location manager:Franziska Jahnke, Tina-Yvonne Müller (Set)
Shoot:21.05.2013-28.06.2013: Berlin
Original distributor:Alamode Filmverleih (München)
Length:90 min
Format:DCP, 16:9
Picture/Sound:Farbe, Dolby
Rating:FSK-Prüfung (DE): 23.04.2015, 151232, ab 16 Jahre/feiertagsfrei
Screening:Uraufführung (DE): 06.02.2015, Berlin, IFF - Panorama;
Kinostart (DE): 21.05.2015

Titles

Originaltitel (CH DE) DORA oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern

Versions

Original

Length:90 min
Format:DCP, 16:9
Picture/Sound:Farbe, Dolby
Rating:FSK-Prüfung (DE): 23.04.2015, 151232, ab 16 Jahre/feiertagsfrei
Screening:Uraufführung (DE): 06.02.2015, Berlin, IFF - Panorama;
Kinostart (DE): 21.05.2015
 

Awards

Filmfest Brüssel 2015
Cinelab Award
Cineuropa Award