Förderpreis Neues Deutsches Kino auf dem Filmfest München verliehen

06.07.2015 | 09:45 Uhr

Förderpreis Neues Deutsches Kino auf dem Filmfest München verliehen

Am Freitagabend, 3. Juli, wurden auf dem Filmfest München deutsche Nachwuchstalente mit dem begehrten Förderpreis Neues Deutsches Kino ausgezeichnet.

Die Jury, Regisseur Sebastian Schipper, Produzent Peter Rommel und Schauspielerin Johanna Wokalek, bedachte den Debütfilm "Babai" mit drei von vier möglichen Preisen. So erhielt Visar Morina für sein Erstlingswerk den Förderpreis Regie sowie Drehbuch. Außerdem wurden seine beiden Hauptdarsteller Astrit Kabashi und Val Maloku gemeinsam mit dem Förderpreis Schauspiel prämiert. Sie spielen Vater und Sohn in "Babai" und schlagen sich auf den Straßen des Vorkriegskosovo der 90er Jahre mit Zigarettenverkäufen durch. Als sich der Vater heimlich nach Deutschland absetzt, reist ihm der zehnjährige Sohn auf eigene Faust nach. "Babai" hat mit missingFILMs bereits einen deutschen Kinoverleih, ein Starttermin steht noch nicht fest.

Der Förderpreis in der Kategorie Produktion ging an Steve Hudson und Sonja Ewers (GRINGO films GmbH Köln) für "Happy Hour". Die warmherzige Komödie von Franz Müller dreht sich um einen frisch von seiner Frau verlassenen Mittvierziger, der mit zwei Kumpels nach Irland reist, um das Mannsein zu zelebrieren - oder das, was die drei (Simon Licht, Mehdi Nebbou und Alexander Hörbe) vermeintlich dafür halten. "Happy Hour" ist die erste Kinofilmproduktion von Steve Hudson und die sechste von Sonja Ewers.

Der Förderpreis Neues Deutsches Kino ist einer der wichtigsten und höchstdotierten Nachwuchspreise in Deutschland. Gestiftet wird der insgesamt mit 70.000 Euro dotierte Preis von Bavaria Film, Bayerischer Rundfunk und DZ Bank. Im Wettbewerb standen dieses Jahr 59 Talente aus zwölf Spielfilmen der Reihe Neues Deutsches Kino des Filmfest München. Preischancen haben automatisch alle Regisseure, Drehbuchautoren, Schauspieler und Produzenten, die ihre Spielfilme in der Festivalsektion vorstellen, sofern es sich um ihren ersten, zweiten oder dritten langen Kinofilm handelt. Bei Produzenten darf es maximal der sechste Film sein.

Die Preisträger Förderpreis Neues Deutsches Kino 2015:

Nach dem Triumphzug von "Love Steaks" vor zwei Jahren wurde mit "Babai" in diesem Jahr erneut ein Film mit dem Förderpreis in mehreren Kategorien bedacht.

Förderpreis Neues Deutsches Kino Regie (30.000 Euro)
Visar Morina für "Babai"

Die Jury: "Keine Lügen. Keine Posen. Nicht ein Moment der Selbstverliebtheit. Nicht ein falscher Ton. Der Film treibt einem die Tränen in die Augen - Wuttränen, Tränen der Ohnmacht und der Trauer - und wirft den Zuschauer dann doch voll von Hoffnung und noch viel größerer Kraft und vor allem Verantwortung zurück ins Leben. Verantwortung für unser Leben. Das Leben. Das Leben, das wir Menschen führen. Zusammen. 'Babai' ist ein Meisterwerk von einem jungen Meister, vor dem wir uns tief verneigen."

"Babai" ist eine Produktion von NiKo Film in Koproduktion mit Produksioni Krusha (Kosovo), Skopje Film Studio (Mazedonien) und EAUX VIVES Productions (Frankreich) in Zusammenarbeit mit WDR und Arte, gefördert von Film- und Medienstiftung NRW, FFA, nordmedia, Kosova Cinematography Center, Macedonian Film Fund und Cinéma du Monde CNC. Regie/Drehbuch: Visar Morina.

Förderpreis Neues Deutsches Kino Drehbuch (10.000 Euro)
Visar Morina für "Babai"

Die Jury: "Wenn all die Ängste vor dem Versagen endlich verstummt sind. Die Angst nicht zu genügen. Ausgelacht zu werden. Ausgegrenzt und allein zu sein. Wenn all das Falsche irgendwann nicht mehr gilt, dann regt sich manchmal eine leise Stimme. Kostbar und scheu. Gnadenlos zwar, ohne Zucker - aber voll von Wahrheit und Liebe. "Babai" ist vom ersten bis zum letzten Satz in dieser Stimme geschrieben. Gebannt, gerührt und überwältigt haben wir ihr zugehört."

Förderpreis Neues Deutsches Kino Schauspiel (10.000 Euro)
Val Maloku, Astrit Kabashi für "Babai"

Die Jury: "In dem Film 'Babai' haben uns Val Maloku als Sohn und Astrit Kabashi als sein Vater in ihren ersten Kinorollen absolut überzeugt und berührt. Wie der Sohn wie ein kleiner Erwachsener seinen Vater damit konfrontiert, dass er ihn verlassen und verraten hat, weil er ohne ihn nach Deutschland geflohen, einfach abgehauen ist, wird unvergesslich bleiben. Der Vater wiederum ist immer wieder im Konflikt mit seinem verständlichen Wunsch nach einer neuen Chance im Leben und seinen Gefühlen dem Sohn gegenüber, der ihn zwingt Verantwortung zu übernehmen und seine Rolle als Vater zu erfüllen. Die beiden sind in ihrem Zusammenspiel so selbstverständlich und aufrichtig, als hätten sie die Geschichte tatsächlich erlebt. Wir verstehen durch sie, was mit uns Menschen geschieht, wenn sich unser Wunsch nach einem normalen, selbstbestimmten Leben nicht ohne weiteres erfüllt und wir darum kämpfen müssen. Val Maloku und Astrit Kabashi haben uns durch ihr Spiel im Innersten berührt und erschüttert."

Förderpreis Neues Deutsches Kino Produktion (20.000 Euro)
Steve Hudson, Sonja Ewers für "Happy Hour"

Die Jury: "Ein Film, der die Jury komplett mitgerissen und auf all seinen handwerklichen Ebenen wirklich überzeugt hat. Eine warmherzige Konstellation von engen Ü40 Freunden auf ihrem gemeinsamen Selbstfindungstrip nach Irland. Die wilde irische Landschaft, ihre Lieder und Getränke, vor allem aber die herzerfrischenden, natürlich zupackenden Irish Women lockern und führen sie aus ihren verkrampften Denk- und Lebensmustern. Diese lebenskluge und eben dadurch so witzige Komödie besticht durch ein klasse Drehbuch, flottes Timing, famosen Spielwitz, Charme und eine wundervolle Kamera. Eine durch und durch gelungene Low-Budget-Produktion, mit einem hohen Potential mit ihren grandiosen Darstellern auf viele gleichgesinnte Paare an der Kinokasse zu treffen."

"Happy Hour" ist eine Produktion der GRINGO films GmbH in Koproduktion mit Film Boutique - Katharina Jakobs & Markéta Polednová GbR und Ripple World Pictures (Irland) in Zusammenarbeit mit WDR/Arte, Film- und Medienstiftung NRW und dem Kuratorium Junger Deutscher Film. Regie/Drehbuch: Franz Müller.

Quelle: www.filmfest-muenchen.de

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