Mädchen Mädchen

Mädchen Mädchen

Deutschland 2000/2001, Spielfilm

Mädchen, Mädchen


Rolf-Rüdiger Hamacher, film-dienst, Nr.7, 27.03.2001

Während ein Teil hiesiger (junger) Filmemacher wieder die sozialen Probleme und persönlichen Befindlichkeiten reflektieren und künstlerisch verdichten, ohne belehrend daherzukommen, kopieren andere nur den gängigen Mainstream. Nach der abgeflauten Komödienwelle stürzt man sich nun auf das Schülerfilm-Genre. Dass man diesem eigene Reize abgewinnen kann, wenn man sich seinen Protagonisten liebevoll nähert, beweisen Filme wie „Crazy“ (fd 34 303) und „Schule“ (fd 34 600); wenn man aber nur die Geschmacklosigkeiten einschlägiger Blockbuster wie „American Pie“ (fd 34 042) oder „Road Trip“ (fd 34 427) kopieren will, kommen filmische Offenbarungseide wie „Harte Jungs“ (fd 34 180) heraus, die nun ihr weibliches Pendant erhalten haben.

Die drei Schulkameradinnen Inken, Victoria und Lena, die auch derselben erfolglosen Volleyball-Mannschaft angehören, haben nichts anderes als Jungen und ihren ersten Orgasmus im Sinn. Als es damit selbst an Inkens 18. Geburtstag nicht klappen will, weil ihr Macho-Freund Tim nur an seine eigene Befriedigung denkt, schnappt sie sich ihr Rennrad und kommt dank ihres anschmiegsamen Sattels mitten im Münchener Großstadtverkehr zum Höhepunkt. Fortan radeln sie zu dritt, aber Viktoria erreicht ihren Höhepunkt erst vor dem Computer, als sie im Internet mit einer Frau „Sex-chatet“. Lena versucht es über den konservativen Weg, indem sie eine von Missverständnissen überschattete Beziehung zum Musiker Nick aufbaut. Schließlich findet sich auf für Inken nach einem missglückten Blind-Date ein männliches Deckelchen, Lena entdeckt, dass ihre virtuelle Beglückerin der verklemmte, sie anhimmelnde Mitschüler Dirk ist, und gemeinsam gewinnen die Mädchen sogar das entscheidende Volleyballspiel.

Mit ungläubigem Staunen erinnert man sich, dass Dennis Gansel für seinen Debütfilm, den RAF-Politthriller „Das Phantom“ (2000), mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde; auch die Autorin Maggie Peren ist keine Unbekannte, schrieb sie doch u.a. das wunderbare Drehbuch zu Vanessa Jopps „Vergiss Amerika“ (fd 34 546). Was die beiden bewogen hat, jede Gelegenheit zu nutzen, um ordinärer als nötig zu sein, bleibt ein Rätsel. Alles auf den ursprünglichen Drehbuchautoren Christian Zübert zu schieben, der lediglich Colette Bursons „Coming Soon - Kommt sie, kommt sie nicht?“ (fd 34 510) abkupferte, wäre ungerecht, denn schließlich war Maggie Peren angetreten, die Geschichte mehr aus weiblicher Sicht zu sehen. Aber so dämlich können eigentlich 18-jährige Gymnasiasten aus anscheinend gutem Haus nicht sein, dass sie auf debile Machos reinfallen, die mit T-Shirt-Aufschriften wie „Andere Länder, andere Titten“ herumlaufen. Viktorias rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr kommt genauso unpassend „cool“ daher wie ihr dämlicher Satz nach wiederholt verpasstem Orgasmus: „Was beschwer’ ich mich eigentlich? In Afrika sterben schließlich ständig Kinder.“ Gansel, der ausführte, dass „eine Komödie mehr verhüllen als zeigen sollte, sonst wirkt sie tölpelhaft“, versagt sich keinen voyeuristischen Kamerablick und meint den Sperma-Gag aus „Verrückt nach Mary“ (fd 33 393) noch auf besonders geschmacklose Weise überbieten zu müssen.

Dass ein 27-Jähriger bereits solche Alt-Männer-Fantasien hat und auch noch glauben machen will, er käme damit den Unterhaltungsbedürfnissen Jugendlicher entgegen, ist das Erschreckendste des Films, der im Übrigen völlig lieblos heruntergekurbelt ist. Die Bilder kommen nie über das Niveau einer Fernseh-Seifenoper heraus, öffnen weder den Raum noch beziehen sie die Stadt München optisch ein. Dieser Vorabendserien-Stil trifft auch die überforderte Diana Amft, der die weitaus präsenteren Felicitas Woll und Karoline Herfurth ständig die Butter vom Brot nehmen, während man bei den männlichen Darstellern überhaupt kein Talent zu entdecken vermag. Als ob die Happy Ends schon des Guten zu viel wären, muss auch noch ein sportlicher Sieg her. Dessen optisch wie dramaturgisch dilettantische Auflösung zeigt noch einmal die ganze Misere des Films: Nur für den erhofften Gewinn hat man sich bei dieser inhaltlich wie inszenatorischen Dummdreistigkeit interessiert.

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Quelle: FFA

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