Madrid

Madrid

Deutschland 2002/2003, Spielfilm

Wächterinnen des Warenflusses

Supermarktangestellte sind Teile eines Systems aus Präsentation und Verkauf, Lücken darf es darin eigentlich nicht geben. In ihrem Kassiererinnen-Porträt zeigt Daphne Charizani, wie die Wächterinnen des Warenflusses diesem System dann aber doch kleine Pausen privater Betriebsamkeit abzuringen verstehen. Wie sie zum Beispiel nach dem Eintreffen einer Versandhausbestellung den Pausenraum für eine kleine Modenschau nutzen, oder wie sie beim Rauchen im Hinterhof Beziehungsprobleme erörtern. Der jungen Isabelle (Kathrin Angerer), die es zur Assistentin der Geschäftsführung gebracht hat, nützen die pragmatischen Kommentare ihrer älteren Kolleginnen allerdings recht wenig. Die 28-Jährige hat sich noch nicht richtig verortet, in gleich mehrfacher Hinsicht sucht sie nach ihrer Identität.

Laut Pass ist Isabelle Spanierin. Das hilft ihr bei der Selbstfindung aber auch nicht weiter. Als Kind kam sie mit ihren Eltern nach Deutschland. Der Rest der Familie ist inzwischen wieder zurückgekehrt in das Heimatstädtchen nahe Madrid. Spanisch redet sie nur mit ihrer Mutter, wenn sie in endlosen Telefonaten Auskunft über ihr Befinden geben muss. Aber wie es ihr wirklich geht und was sie genau sucht, kann die Träumerin nicht beantworten. In Männern sucht sie Erfüllung für ihre unbestimmte Sehnsucht, vergeblich natürlich. Denn ihre unterschiedlichen Lebenspartner haben handfeste Forderungen, ordentliche Mahlzeiten etwa, oder sie bestimmen sie gleich ungefragt zur Mutter ihres noch zu zeugenden Kindes. Verzweifelt macht sich Isabelle in die Heimat ihrer Eltern auf … Charizani, als gebürtige Griechin ebenfalls Grenzgängerin zwischen den europäischen Welten, erzählt von der Suche nach dem eigenen Ich zwischen der Supermarktkasse in Deutschland und einem nächtlich-kühlen Madrid.

Quelle: Christian Buß, Birgit Glombitza (Red.): "Deutschland, revisited". (Katalog zur gleichnamigen Retrospektive im Kommunalen Kino Metropolis Mai - Juli 2004). Hamburg: Kinemathek Hamburg e.V., 2004