Liebes Spiel

Liebes Spiel

Deutschland 2005, Spielfilm

Liebes Spiel



Rolf-Ruediger Hamacher, film-dienst, Nr. 11, 2005

Die 1974 in Heidelberg geborene Maggie Peren ist eine Ausnahmeerscheinung im deutschen Film. Nach Schauspielstudium in Manchester und Literaturstudium in München machte sie sich vor allem als Drehbuchautorin einen Namen, wobei die beeindruckende Spannbreite von genau beobachtenden Jugendstudien ("Vergiss Amerika", fd 34 546) über Teenie-Komödien ("Mädchen, Mädchen", fd 34 779) bis zu (Vergangenheitsbewältigungs-)Dramen ("Napola", fd 36 860) reicht. Manchmal leiht sie den von ihr erfundenen Figuren ihr eigenes Gesicht, etwa in "Ganz und Gar" (fd 35 986) und "Kiss and Run" (fd 36 753), wobei sie die Geschichten meistens von Regieneulingen verfilmen lässt. Auch zu Britta Sauers (Fernseh-)Filmdebüt "Leon & Lara" lieferte sie die Vorlage und verhilft der Regisseurin nun mit "Liebes Spiel" zu ihrem ersten Kinofilm.

In einer Straßenbahn begegnen sie sich zum ersten Mal: der Zivildienstleistende Morten, der nach einer Nachtschicht als Rettungssanitäter nach Hause fährt, und die junge Dolmetscherin Theresa, die auf dem Weg zur Arbeit ist. Beim zweiten, zufälligen Wiedersehen überredet Morten sie zu einem Rendezvous, und da das Café, in dem sie sich verabredet haben, geschlossen ist, lädt er Theresa in seinen Wohnwagen ein, in dem er auf dem Gelände einer stillgelegten Fabrik haust. Morten glaubt, die Liebe seines Lebens gefunden zu haben. Doch schon nach der ersten Liebesnacht lässt ihn Theresa sitzen und taucht in ihrer Welt unter, die Morten noch verborgenen ist: der Spielautomaten-Sucht. Diese Abhängigkeit bringt Theresa immer häufiger in Schwierigkeiten. Sie kann ihre Miete nicht bezahlen, schläft mit ihrem Chef, um ihre Sucht zu finanzieren, und verliert durch ihre Unzuverlässigkeit ihren Job. Langsam kommt Morten hinter Theresas Geheimnis und will ihr helfen, aber selbst die gemeinsamen "kleinen Fluchten" ans Meer oder das überstürzte Zusammenziehen können ihr nicht helfen. Als ein neuer Spielsalon eröffnet, sitzt sie wieder vor den Automaten, und Morten steht vor der Entscheidung, ob er Theresa noch einmal zurückholen oder loslassen soll.

Obwohl das bereits 2000 entstandene Drehbuch lange gereift ist, hat es Maggie Peren nicht überzeugend entwickeln können. Die Handlungsstränge "Liebe" und "Spiel" wollen einfach nicht zueinander finden. Zu konstruiert wirken schon die erste (verbale) Annäherung und die schnelle körperliche Vereinigung, wobei durch solche "Kopfgeburten" eine Distanz zu den Figuren aufgebaut wird, die es schwer macht, sie anzunehmen. Ähnliches geschieht mit der "Sucht", deren selbstzerstörerische Auswirkungen mehr behauptet als glaubwürdig beschrieben werden. Hinzu kommt, dass Mortens langsam wachsendes Verständnis für Theresa mit seinen ebenfalls suchtkranken Eltern – die Mutter ist Alkoholikerin, der Vater Tabletten abhängig – zu plakativ unterfüttert wird und die Figuren durch ihre Kurzauftritte kein Eigenleben entwickeln. Auch die schauspielerische "Chemie" zwischen Maggie Peren und Florian Stetter stimmt nicht; beide wirken fehlbesetzt, sogar ein wenig überfordert. Britta Sauer kann dem zwar mit einer konzentrierten Schauspielerführung entgegensteuern, letztlich aber mangelt es der Inszenierung an visueller Kraft, sodass der Film uninspiriert seinem "offenen" Happy End entgegen steuert. Dabei verhindert die chronische Unterfinanzierung vieler vom Fernsehen co-finanzierter deutscher Kinofilme auch hier jede Atmosphäre, die sich in den kaum definierbaren ostdeutschen Landschaften sowie den merkwürdig "sauberen" Spielsalon-Szenen einstellen könnte. Was im Gedächtnis bleibt, sind die beiden skurrilen Kumpel von Morten: Hasi träumt davon, als Cellist Karriere zu machen, und Helmut leistet "Trauerarbeit", indem er ständig Dias aus gemeinsamen Urlaubstagen mit seiner "Ex" guckt. In diesen Szenen beweist Peren ihr Talent für präzise Figurenzeichnungen ebenso wie ihren Sinn für Humor, der die Hauptcharaktere aber viel zu selten durchdringt.