Das Flötenkonzert von Sanssouci

Das Flötenkonzert von Sanssouci

Deutschland 1930, Spielfilm

Inhalt

Offiziell findet im Dresdner Palais des Reichsgrafen Brühl nur ein Maskenball statt. Der preußische Gesandte bemerkt allerdings, dass der Gastgeber sich gemeinsam mit den Gesandten Österreichs, Russlands und Frankreichs zu einer Besprechung zurückzieht – sie schmieden ein Komplott gegen den Soldatenkönig von Sanssouci. Es gelingt dem preußischen Gesandten, eine Kopie des Geheimvertrags zu ergattern, die er umgehend König Friedrich II. zukommen lässt.
Friedrich heckt einen Gegenplan aus und schickt seinen treuen Gesandten, den Major von Lindeneck, zurück nach Dresden. Der hat neben seiner Königstreue aber noch andere Dinge im Kopf: seine Frau Blanche zum Beispiel, die er nun wieder alleine zurücklassen muss und um deren Treue er sich große Sorgen macht. Für Friedrich steht vielleicht sein Land auf dem Spiel, aber für Lindeneck ist Blanche ebenso wichtig. Trotz seiner zermürbenden Ungewissheit und der starken Inanspruchnahme in dieser brisanten politischen Lage gelingt es Lindeneck, sämtliche Aufträge des Königs gewissenhaft auszuführen. Als die Gesandten Österreichs, Russlands und Frankreichs um eine Audienz bei König Friedrich II. bitten, ist der bereits bestens im Bilde. Während eines Flötenkonzerts empfängt er seine Feinde und unterbricht die Musik nur einmal – um seinen Generälen Befehl zum Ausmarsch der Regimenter zu erteilen.

Erster Fridericus-Rex-Film der Tonfilmzeit und bereits stark nationalistisch gefärbt.

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"Wir bitten, dienen zu dürfen"

Wer möchte sich schon den Ausbruch des siebenjährigen Krieges zwischen Preussen, Frankreich, Russland und Österreich in Form einer dürftigen Anekdote erzählen lassen? Geschieht hier. Was für den Film spricht, ist die optische Sicht, die Regisseur Ucicky gemeinsam mit seinem Kameramann Carl Hoffmann entwickelt. Es beginnt mit der sehr gekonnten Szenenabfolge im Palais Brühl in Dresden, wo die einzelnen Gesprächsinseln mit einer sehr langsamen und einprägsamen Kamerabewegung abgefahren werden. Die Hetzjagd der sächsischen Truppen auf den preussischen Spion, der den Vertrag bei sich hat, ist brillant geschnitten, die Abfolge der Bewegungen ergibt filmischen Rhythmus. Hoffmann stellt die Kamera auf einen Wagen, rast mit den Pferden, wechselt aus der Totalen in die Halbtotale bis hin zu Nahaufnahmen und vermittelt so eine besondere Dramatik. Der Auftritt des Preussenkönigs ist sorgsam inszeniert - aus der Tiefe seines Palastes erscheint er, etwas gebeugt, doch machtvoll. Nur wenn er den Mund aufmacht (Otto Gebühr spielt ihn), wird es etwas merkwürdig - sprach der große Preusse in einem derartigen Konversationston? Filmisch gut erfunden, wie der König seinen Aufmarschplan für die Truppen in den Spielpausen seines Flötenkonzerts erteilt. Als Friedrich dann mit der fast untreuen Ehefrau (Renate Müller) seines Kuriers zu Abend isst, ereignet sich ein Dialog, der auf der einen Seite hoheitsvoll distanziert bleibt, andererseits aber sehr bezogen und menschlich wirkt - ob der Alte Fritz so war, sei dahingestellt. Aber ihn anzuhören, ist eine Freude. Walter Reisch hat ihn geschrieben. Da darf dann der König auch deutlich werden: „Ich liebe es nicht, wenn die Damen meiner Offiziere ihre Frauenpflichten vergessen, wenn ihre Männer für mich tätig sind.“ Die Darsteller scheinen sich weitgehend selbst überlassen, die Schauspielerführung glänzt durch Abwesenheit. Zum Schluss das übliche miltärische (prä-faschistische?) Tamtam mit Aufmarsch, Militärmusik und geschulterten Gewehren. Auf in den Krieg! Wir müssen uns verteidigen! Oder wie es heißt: „Wir bitten, dienen zu dürfen“.

Credits

Regie:Gustav Ucicky
Drehbuch:Walter Reisch
Kamera:Carl Hoffmann
Musik:Willy Schmidt-Gentner
  
Darsteller: 
Otto GebührKönig Friedrich II. von Preußen
Renate MüllerBlanche von Lindeneck
Hans RehmannMajor von Lindeneck, 1. Kurier
Walter JanssenPreußischer Gesandter in Dresden Maltzahn
Raoul AslanReichsgraf Brühl
Friedrich KayßlerFinkenstein
Carl GoetzFredersdorf
Aribert WäscherPöllnitz
Margarethe SchönPrinzeß Amalie
Theodor LoosMenzel
Hans BrausewetterKorrespondent
Paul BiensfeldtQuantz
Wladimir SokoloffRussischer Gesandter in Potsdam
Friedrich KühneSchwerin
Alfred BeierleRetzow
Kurt PehlemannWinterfeldt
Max LeuSeydlitz
Georg JohnZieten
Attila Hörbiger2. Kurier
Fritz ReiffGrenadier
Theo LingenKent
Jakob TiedtkeWirt
Karl ElzerKutscher des Königs
Ferdinand HartRutowski
Hans Mühlhofer1. General
Ernst Dernburg2. General
Ruth Jacobsen1. Dame
Hilde Wörner2. Dame
Martin HerzbergJunger Kavalier
Alexander MurskiRussischer Gesandter in Dresden
Edwin JürgensenÖsterreichischer Gesandter in Dresden
Werner SchottFranzösischer Gesandter in Dresden
Hubert von MeyerinckAttaché
Heinrich GretlerGrenzjäger
Eduard von Winterstein
Franz Scharwenka
Olga Engl
  
Produktionsfirma:Universum-Film AG (UFA) (Berlin)

Alle Credits

Regie:Gustav Ucicky
Drehbuch:Walter Reisch
hat Vorlage:Johannes Brandt (Motive einer Novelle)
Kamera:Carl Hoffmann
Bauten:Robert Herlth, Walter Röhrig
Kostüme:Theaterkunst Hermann I. Kaufmann (Berlin) (Solistenkostüme), Leopold Verch, Peter A. Becker
Ton:Hermann Fritzsching
Choreografie:Jens Keith
Beratung:Herbert Knötel (Militärischer Beirat)
Musik:Willy Schmidt-Gentner
Dirigent:Willy Schmidt-Gentner
  
Darsteller: 
Otto GebührKönig Friedrich II. von Preußen
Renate MüllerBlanche von Lindeneck
Hans RehmannMajor von Lindeneck, 1. Kurier
Walter JanssenPreußischer Gesandter in Dresden Maltzahn
Raoul AslanReichsgraf Brühl
Friedrich KayßlerFinkenstein
Carl GoetzFredersdorf
Aribert WäscherPöllnitz
Margarethe SchönPrinzeß Amalie
Theodor LoosMenzel
Hans BrausewetterKorrespondent
Paul BiensfeldtQuantz
Wladimir SokoloffRussischer Gesandter in Potsdam
Friedrich KühneSchwerin
Alfred BeierleRetzow
Kurt PehlemannWinterfeldt
Max LeuSeydlitz
Georg JohnZieten
Attila Hörbiger2. Kurier
Fritz ReiffGrenadier
Theo LingenKent
Jakob TiedtkeWirt
Karl ElzerKutscher des Königs
Ferdinand HartRutowski
Hans Mühlhofer1. General
Ernst Dernburg2. General
Ruth Jacobsen1. Dame
Hilde Wörner2. Dame
Martin HerzbergJunger Kavalier
Alexander MurskiRussischer Gesandter in Dresden
Edwin JürgensenÖsterreichischer Gesandter in Dresden
Werner SchottFranzösischer Gesandter in Dresden
Hubert von MeyerinckAttaché
Heinrich GretlerGrenzjäger
Eduard von Winterstein
Franz Scharwenka
Olga Engl
  
Produktionsfirma:Universum-Film AG (UFA) (Berlin)
Produktionsleitung:Günther Stapenhorst
Dreharbeiten:27.08.1930-06.10.1930: Döberitz, Potsdam, Schloß Sanssouci
Erstverleih:Universum-Film Verleih GmbH (Ufa) (Berlin)
Länge:9 Akte, 2412 m, 88 min
Format:35mm, 1:1,37
Bild/Ton:s/w, Tobis-Klangfilm
Prüfung/Zensur:Zensur (DE): 16.12.1930, B.27690, Jugendfrei
Aufführung:Uraufführung (DE): 19.12.1930, Berlin, Ufa-Palast am Zoo

Titel

Originaltitel (DE) Das Flötenkonzert von Sanssouci

Fassungen

Original

Länge:9 Akte, 2412 m, 88 min
Format:35mm, 1:1,37
Bild/Ton:s/w, Tobis-Klangfilm
Prüfung/Zensur:Zensur (DE): 16.12.1930, B.27690, Jugendfrei
Aufführung:Uraufführung (DE): 19.12.1930, Berlin, Ufa-Palast am Zoo
 

Prüffassung

Länge:2338 m, 85 min
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 06.09.1979, 50985, ab 6 Jahre / feiertagsfrei;
FSK-Prüfung (DE): 28.10.1996, 50985 [2. FSK-Prüfung]
 

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