Das Haus in der Karpfengasse

Das Haus in der Karpfengasse

BR Deutschland 1963-1965, TV-Spielfilm

Inhalt

Der Film schildert das Schicksal der Bewohner eines Wohnhauses im jüdischen Viertel Prags nach dem Einmarsch deutscher Truppen im Jahr 1939. Da gibt es unter anderem eine alte Witwe, die einst ihren Sohn verstoßen hatte, und der sie nun nach Brasilien holen will; außerdem die Besitzer eines Papiergeschäfts, die von den deutschen Besatzern in den Ruin getrieben werden. Auch der deutschstämmige Hauswart Glaser gerät unter Druck, als sein Sohn in einer kommunistischen Kneipe verhaftet wird. Um seine Haut zu retten, denunziert er zwei junge Leute, die sich im aktiven Widerstand engagieren.

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Kein Film des schlechten Gewissens

Was für ein unglaubliches Risiko! Der Komödien-Regisseur Kurt Hoffmann versuchte sich an einem der schwärzesten Kapitel der deutschen Geschichte mit einem Drehbuchautor (Gerd Angermann), der ein völliger Neuling war! Dazu das Ganze in der Tschechoslowakei gefilmt, die nach dem Einmarsch der Sowjets zu den härtesten kommunistischen Staaten überhaupt gehörte. Hoffmann wollte (nach dem Roman von Ben-Gavriel) das Schicksal der jüdischen Bewohner der Karpfengasse (Kaprova) 115 in Prag schildern, die mit dem Einmarsch der Nationalsozialisten 1939 um ihr Leben, ihre Existenz, ihre Rechte gebracht wurden. Der Film erzählt in finsterem Schwarz-Weiß in Episoden die Schicksale dieser Menschen. Mutter Kauders hat ihren Sohn verstossen, weil er den jüdischen Glauben aufgab. Viele Jahre später - 1939 - erhält sie einen Brief aus Brasilien, in dem ihr Sohn sie bittet, zu ihm zu kommen. Doch Mutter Kauders (eindrucksvoll: Edith Schultze-Westrum) überlebt den Hürdenlauf durch die Behörden nicht und bricht zusammen.Das ist die erste Episode. Doch über den Szenen liegt ein schwerer schwarzer Schleier. Hoffmann erzählt, als gäbe es keinen Standpunkt von ausserhalb. Er geht so vorsichtig (oder unsicher?) zu Werke, er lässt Rückblenden zu, die mehr verwirren als Klarheit schaffen, und er findet keinen Standpunkt ausserhalb des engen Geschehens. Das macht diesen Film so lastend und letztlich unfilmisch. „Es hätte ein Film des schlechten Gewissens werden müssen“ (Nettelbeck). Nur um Mißverständnisse auszuschließen: es geht hier nicht darum, das Thema zu kritisieren - es verdient eher Respekt - , sondern lediglich darum, dass daraus nichts filmisch Wirkungsvolles geworden ist. Nach „Wir Wunderkinder“ glaubte Hoffmann offenbar, dass er sich auch so einem Thema stellen könne. Aber „Wir Wunderkinder“ war ein politisch angehauchtes Kabarett, kein wirklicher Versuch, deutsche Vergangenheit aufzuarbeiten. Da fällt einem dann wieder Wolfgang Staudte ein, der diese Episoden anders erzählt hätte. So bleibt zwar Erschütterung zurück, aber auch Abwehr.

Credits

Regie:Kurt Hoffmann
Drehbuch:Gerd Angermann
Kamera:Josef Illig
Schnitt:Dagmar Hirtz
Musik:Zdenka Liška
  
Darsteller: 
Edith Schultze-WestrumMutter Kauders
František FilipovskýVater Ignaz Kauders
Ladislav KrižEmil Kauders
Wolfgang KielingKarl Marek
Rosel SchäferOlga Marek
Helmut SchmidLeutnant Slesak
Walter TaubSalomon "Salo" Laufer
Hana VítováMali Laufer
Peter HerrmanErnst Laufer
Tamara KafkováFrieda Laufer
Martin GregorMarcel Lederer
Margrit WeilerBertha Lederer
Walter BuschhoffHerr Krauthammer
Jiri HolýHerr Klossmann
Rudolf HrušinskýKarl Maria Glaser
Karl Otto AlbertyLeopold Glaser
Ludmila PeškovaAnna Krummbein
Václav VoskaLeo Mautner
Eva Maria MeinekeLilly Mautner
Jana BrejchováBozena
Ivan MistrikMilan Schramek
Berno von CrammBehrend
Jan TřiskaKowlorat
Rudolf Deyl jr.Konditor Vokurka
Josef Beyrl
Libuše Peškova
  
Produktionsfirma:Independent Film GmbH (Berlin/West), Westdeutscher Rundfunk (WDR) (Köln)
Produzent:Heinz Angermeyer

Alle Credits

Regie:Kurt Hoffmann
Regie-Assistenz:Helmut Schmid
Drehbuch:Gerd Angermann
hat Vorlage:Moshe Ya’akov Ben-Gavriêl (Nach dem gleichnamigen Roman von)
Kamera:Josef Illig
Bauten:Bohumil Kulič
Schnitt:Dagmar Hirtz
Ton:Miloslav Hurka
Musik:Zdenka Liška
  
Darsteller: 
Edith Schultze-WestrumMutter Kauders
František FilipovskýVater Ignaz Kauders
Ladislav KrižEmil Kauders
Wolfgang KielingKarl Marek
Rosel SchäferOlga Marek
Helmut SchmidLeutnant Slesak
Walter TaubSalomon "Salo" Laufer
Hana VítováMali Laufer
Peter HerrmanErnst Laufer
Tamara KafkováFrieda Laufer
Martin GregorMarcel Lederer
Margrit WeilerBertha Lederer
Walter BuschhoffHerr Krauthammer
Jiri HolýHerr Klossmann
Rudolf HrušinskýKarl Maria Glaser
Karl Otto AlbertyLeopold Glaser
Ludmila PeškovaAnna Krummbein
Václav VoskaLeo Mautner
Eva Maria MeinekeLilly Mautner
Jana BrejchováBozena
Ivan MistrikMilan Schramek
Berno von CrammBehrend
Jan TřiskaKowlorat
Rudolf Deyl jr.Konditor Vokurka
Josef Beyrl
Libuše Peškova
  
Produktionsfirma:Independent Film GmbH (Berlin/West), Westdeutscher Rundfunk (WDR) (Köln)
in Zusammenarbeit mit:MFL Filmgesellschaft (München), Filmaufbau GmbH (Göttingen)
Produzent:Heinz Angermeyer
Produktionsleitung:Heinz Angermeyer
Dreharbeiten:23.10.1963-17.12.1963: Prag; Barrandov-Atelier Prag
Erstverleih:neue filmform heiner braun (München)
Länge:155 min (38 min / 59 min / 57 min)
Format:35mm, 1:1,37
Bild/Ton:s/w, Mono
Aufführung:Uraufführung (DE): 07.03.1965, ARD [Teil 1];
Uraufführung (DE): 09.03.1965, ARD [Teil 2];
Uraufführung (DE): 11.03.1965, ARD [Teil 3]

Titel

Originaltitel (DE) Das Haus in der Karpfengasse

Fassungen

Original

Länge:155 min (38 min / 59 min / 57 min)
Format:35mm, 1:1,37
Bild/Ton:s/w, Mono
Aufführung:Uraufführung (DE): 07.03.1965, ARD [Teil 1];
Uraufführung (DE): 09.03.1965, ARD [Teil 2];
Uraufführung (DE): 11.03.1965, ARD [Teil 3]
 

Verleihfassung

Länge:3120 m, 114 min
Format:35mm, 1:1.37
Bild/Ton:s/w, Mono
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 08.02.1965, 33436, ab 12 Jahre / feiertagsfrei
Aufführung:Kinostart (DE): 12.03.1965, Hamburg, Gondel
 
Länge:2968 m, 108 min
Format:35mm, 1:1,37
Bild/Ton:s/w, Mono
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 08.06.1965, 33436-a, ab 12 Jahre / feiertagsfrei
 

Auszeichnungen

Deutscher Filmpreis 1965
Filmband in Gold, Beste Regie
Filmband in Gold, Beste Darstellerin
Filmband in Gold, Bester abendfüllender Spielfilm
Filmband in Gold, Bestes Drehbuch
Filmband in Gold, Beste Musik
 
Jury der Evangelischen Filmarbeit 1965
Film des Monats März 1965
 
FBW 1965
Prädikat: Besonders wertvoll