Dr. med. Hiob Prätorius

Dr. med. Hiob Prätorius

BR Deutschland 1964/1965, Spielfilm

Inhalt

Da die hübsche Violetta, die sich gerade von ihrem Freund getrennt hat, fürchtet, schwanger zu sein, sucht sie Hilfe und Rat bei dem angesehenen Arzt Dr. med. Hiob Prätorius. Es stellt sich heraus, dass Violetta tatsächlich ein Kind erwartet, doch Prätorius beschwört die verzweifelte Frau, das Kind zu behalten. Wenig später hat Violetta einen Unfall, der für Prätorius ganz nach einem missglückten Selbstmordversuch aussieht. Fürsorglich kümmert er sich um Violetta, und langsam entspinnt sich zwischen Arzt und Patientin eine zarte Liebe.

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Erlebnis 1965 im Dresdner Faunpalast

Im Sommer 1965 wurde der Film Dr. med. Hiob Prätorius in Dresden gezeigt.
Am Ende des Filmes ging der Vorhang zu und ein minutenlanger Beifall begann!
Das Saallicht ging an und mußte feststellen, daß sich das gesamte Publikum hatte sich sich erhoben.
So etwas habe ich noch nie erlebt und es hat sich auch nie wiederholt !
Die Vorstellung war ausverkauft, es waren über 950 Zuschauer anwehsend, wir schrieben das Jahr 1965!!!
Nach der Wende wurde das Kino abgewickelt!

Darf Komödie kritisch sein?

„Jawohl, Herr Professor“, „Aber gerne, Herr Professor“, „Wird gemacht, Herr Professor“, „Sofort, Herr Professor“ - es professort gewaltig in der Umgebung dieses Halbgottes in weiß. Natürlich ist der „Professor“ Praetorius (Heinz Rühmann) ein Alleskönner (wie sein Erschaffer Curt Goetz): er dirigiert Offenbach vor dem Studentenorchester, er operiert, er heilt, er legt sich zu seiner kleinen Patientin ins Bett und erzählt ihr „Heiteres“, er beballert die Studenten des Kollegen im Anatomiesaal mit allerlei flach-fröhlichen Bagatellen („Eine junge Frau sollte doch nicht an Knochen sägen, sondern lieber lieben“), er gewinnt natürlich die Schachpartie seines Schwiegervaters-in-spe auf einen Blick, er „spielt“ elektrische Eisenbahn, ist das liebenswerte Kind im Manne - und schwer auszuhalten. Wenn er das Patientenzimmer betritt, ist sein erster Satz: “Wie geht es uns denn heute“? Wer ist „uns“? Ihm, ihr? Angeblich ist er auf der Suche nach der Mikrobe der menschlichen Dummheit. Dann kommt sein Credo: „Die einzigen Dinge, über die es sich lohnt, ernsthaft zu sprechen, sind lustige Dinge“, sagt‘s und entfernt sich. Das ist der Trick von Goetz: polierte Halbwahrheiten. Man will ja komisch sein! Darauf ist Regisseur Kurt Hoffmann voll abgefahren. Denn Hoffmann gelang es nicht, seine eigene Zeit kritisch zu hinterfragen, auf Unmöglichkeiten aufmerksam zu machen (wie diesen Kult um die weißen Arztkittel), er konnte auch aus Rühmann nichts einigermaßen Differenziertes herausholen. Hätte ja die Unterhaltung gestört! Das gelang erst Helmut Käutner im „Hauptmann von Köpenick“. Ob Hoffmann jemals einen Film von Wolfgang Staudte gesehen hat? Man könnte noch weiter gehen: was hat denn der vielgerühmte Professor Praetorius eigentlich so im Dritten Reich gemacht? Eine solche Frage, würden Hoffmann/Goetz sagen, passt doch nicht in eine Komödie! Hoffmann hat großartige Filme hinterlassen, aber die Hoffmaneska der fünfziger und sechziger Jahre liesse sich auch einseitig zuspitzen: „Ich war zwar immer jugendfrei, aber sehr häufig auch banal“.

Credits

Alle Credits

Regie:Kurt Hoffmann
Regie-Assistenz:Dagmar Hirtz
Drehbuch:Heinz Pauck, István Békeffy
hat Vorlage:Curt Goetz (Bühnenstück)
Kamera:Richard Angst
Kameraführung:Wolfgang Hofmann, Lothar Kern
Kamera-Assistenz:Hans Angst
Standfotos:Karl Reiter
Bauten:Max Mellin, Werner Achmann
Requisite:Rolf Taute, Herbert Langhammer
Maske:Josef Coesfeld, Klara Krafft
Kostüme:Hildegard Bornkessel
Garderobe:Siegfried Haubold, Hilde Langhammer
Schnitt:Dagmar Hirtz
Ton:Martin Müller, Walter Rühland
Musik:Franz Grothe
  
Darsteller: 
Heinz RühmannDr. med. Hiob Prätorius
Liselotte PulverVioletta Höllriegel
Fritz RaspShunderson
Fritz TillmannDr. Klotz
Peter LührProf. Speiter
Werner HinzVater Höllriegel
Käthe ItterOberschwester
Robert KluppRektor
Tatjana Sais
Marie Ferron
Lisa Helwig
Sigrid Pawlas
Edith Schultze-Westrum
Rosl Mayr
Wilhelm Meyer
Sybille Tewes
Eva Mattes
  
Produktionsfirma:Independent Film GmbH (Berlin/West), Hans Domnick Filmproduktion GmbH (Wiesbaden)
Produzent:Hans Domnick, Heinz Angermeyer
Aufnahmeleitung:Sigi Wagner
Erstverleih:Constantin Film Verleih GmbH (München)
Länge:2510 m, 92 min
Format:35mm
Bild/Ton:Eastmancolor, Ton
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 07.01.1965, 33292, ab 6 Jahre / feiertagsfrei
Aufführung:Uraufführung (DE): 14.01.1965, Hamburg, Ufa-Palast

Titel

Originaltitel (DE) Dr. med. Hiob Prätorius

Fassungen

Original

Länge:2510 m, 92 min
Format:35mm
Bild/Ton:Eastmancolor, Ton
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 07.01.1965, 33292, ab 6 Jahre / feiertagsfrei
Aufführung:Uraufführung (DE): 14.01.1965, Hamburg, Ufa-Palast
 

Auszeichnungen

Bambi 1967
geschäftlich erfolgreichster deutscher Normalfilm 1965/66