Jud Süß

Jud Süß

Deutschland 1940, Spielfilm

Filme der NS-Zeit sind im Kontext der staatlich beeinflussten Produktion und Rezeption zu sehen. Mehr erfahren »

Inhalt

Antisemitischer Propagandafilm über die historische Figur des Joseph Süß Oppenheimer. Geboren in den 1690er Jahren in Heidelberg, wurde Oppenheimer 1733 Finanzberater des Herzogs Karl Alexander von Württemberg. Mit einer rigiden Steuerpolitik ermöglichte er dem katholischen Herzog einen prunkvollen Lebensstil, brachte damit jedoch die Bevölkerung und die protestantischen Landstände gegen sich auf. Nach dem Tod des Herzogs 1737 wurde Oppenheimer verhaftet und in einem mehrmonatigen Prozess zum Tode verurteilt. Am 4. Februar 1738 wurde er vor den Toren Stuttgarts an einem zehn Meter hohen Galgen in einem eisernen Käfig gehängt.

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Die Infamie

Aus dem unteren Stockwerk des Gebäudes hört Dorothea (Kristina Söderbaum) die Schmerzensschreie ihres Mannes, der gefoltert wird. Im Zimmer des Süß Oppenheimer (Ferdinand Marian), den sie aufgesucht hat, um für ihren Mann Gnade zu erflehen, kann sie sich seiner Attacken nicht erwehren. Er kommt ihr bedrohlich näher und zischt aus dem hinterhaltig lächelnden Mundwinkel: „Bete nur zu deinem Gott, bete nur, aber nicht nur ihr Christen habt einen Gott, die Juden haben auch einen und das ist der Gott der Rache. Auge um Auge, Zahn um Zahn, bedank‘ sie sich bei ihrem Vater“. Und vergewaltigt sie. Schnitt. Sie stürzt sich ins Wasser und ertrinkt (auch daher wurde sie im Volksmund die „Reichswasserleiche“ genannt). So entwickelt sich die zentrale Szene des Films. „Wenn der Jude sein säuisches Wesen will treiben mit unseren Frauen und Töchtern...“ - Karsten Witte hat in der „Geschichte des deutschen Films“ analysiert, wie geschickt und berechnend Harlan diesen Film im Detail gestaltet hat, welch zentrale Bedeutung in diesem Film Überblendungen haben, die „nie eine Verwandlung nach vorwärts, sondern stets eine Verwandlung nach rückwärts“ sind. Man steht verwundert vor der Tatsache, dass Deutschlands berühmteste Schauspieler hier ihr „Bestes“ geben. Harlan hat in seiner Autobiographie versucht, sich als Goebbels Opfer darzustellen. Das war er nun wirklich nicht. Goebbels und Harlan waren sich ja ideologisch einig und stritten lediglich über Details der Filme. Das wird vergessen. Peinlich in diesem Zusammenhang, dass Noack (2000) und Buchloh (2010) in ihren Studien zu belegen versuchen, dass Harlan Opfer und nicht Täter war. Ob Harlan diesen Film machen wollte oder nicht, ist letztlich unwichtig. Er hat ihn gemacht. Und zwar genau so. Dieser Film ist bis heute nicht zugänglich. Das sollte so bleiben. Harlan hätte nach dem Krieg als Schöpfer dieses und anderer Machwerke für immer von der Filmbildfläche verschwinden müssen. Doch fand er Produzenten, die ihn auch weiterhin beschäftigten. Ein Treppenwitz der Filmgeschichte.

Credits

Regie:Veit Harlan
Drehbuch:Veit Harlan, Eberhard Wolfgang Möller, Ludwig Metzger
Kamera:Bruno Mondi
Schnitt:Friedrich Karl von Puttkamer, Wolfgang Schleif
Musik:Wolfgang Zeller
  
Darsteller: 
Ferdinand MarianJoseph Süß Oppenheimer
Heinrich GeorgeHerzog Karl Alexander
Hilde von StolzGemahlin des Herzogs Karl Alexander
Werner KraußRabbi Loew / Süß' Sekretär Levy / weitere kleine Rollen von Juden
Eugen KlöpferLandschaftskonsultent Sturm
Kristina SöderbaumTochter Dorothea Sturm
Malte JägerDorotheas Bräutigam Aktuarius Faber
Albert FlorathObrist Röder
Theodor LoosHerr von Remchingen
Walter WernerHerr Fiebelkorn
Charlotte SchultzFrau Fiebelkorn
Anny SeitzMinchen Fiebelkorn
Ilse BuhlFriederike Fiebelkorn
Jakob TiedtkeKonsistorialrat
Erna MorenaFrau des Konsistorialrats
Else ElsterSüß' Mätresse Luziana
Emil HeßSchmied Hans Bogner
Käte Jöken-KönigFrau Bogner
Ursula DeinertPrimaballerina
Erich DunskusMeister der Schmiedezunft
Otto HenningGerichtsvorsitzender
Heinrich SchrothHerr von Neuffer
Hannelore BenzingerDienstmädchen bei Sturm
Ingeborg Albert
Annette Bach
Irmgard Völker
Valy Arnheim
Franz Arzdorf
Walter Bechmann
Fred Becker
Reinhold Bernt
Louis Brody
Wilhelm Egger-Sell
Franz Eschle
Hans Eysenhardt
Bernhard Goetzke
Georg D. Gürtler
Oskar Höcker
Carl Iban
Wilhelm Kaiser-Heyl
Franz Klebusch
Otto Klopsch
Erich Lange
Horst Lommer
Richard Ludwig
Paul Mederow
Hans Meyer-Hanno
Armin Münch
Edgar Nollet
Hellmuth Passarge
Josef Peterhans
Friedrich Petermann
Edmund Pouch
Arthur Reinhardt
Wolfgang Staudte
Walther Suessenguth
Ernst Stimmel
Walter Tarrach
Otz Tollen
Max Vierlinger
Hans Waschatko
Eduard Wenck
Otto Wollmann
  
Produktionsfirma:Terra-Filmkunst GmbH (Berlin) (Herstellungsgruppe Otto Lehmann)

Alle Credits

Regie:Veit Harlan
Regie-Assistenz:Wolfgang Schleif, Alfred Braun
Drehbuch:Veit Harlan, Eberhard Wolfgang Möller, Ludwig Metzger
Kamera:Bruno Mondi
Standfotos:Erich Kilian, Karl Ewald
Bauten:Otto Hunte
Bau-Ausführung:Karl Vollbrecht
Kostüme:Ludwig Hornsteiner
Kostüm-Ausführung:Leopold Verch
Schnitt:Friedrich Karl von Puttkamer, Wolfgang Schleif
Ton:Gustav Bellers
Choreografie:Sabine Ress
Musik:Wolfgang Zeller
  
Darsteller: 
Ferdinand MarianJoseph Süß Oppenheimer
Heinrich GeorgeHerzog Karl Alexander
Hilde von StolzGemahlin des Herzogs Karl Alexander
Werner KraußRabbi Loew / Süß' Sekretär Levy / weitere kleine Rollen von Juden
Eugen KlöpferLandschaftskonsultent Sturm
Kristina SöderbaumTochter Dorothea Sturm
Malte JägerDorotheas Bräutigam Aktuarius Faber
Albert FlorathObrist Röder
Theodor LoosHerr von Remchingen
Walter WernerHerr Fiebelkorn
Charlotte SchultzFrau Fiebelkorn
Anny SeitzMinchen Fiebelkorn
Ilse BuhlFriederike Fiebelkorn
Jakob TiedtkeKonsistorialrat
Erna MorenaFrau des Konsistorialrats
Else ElsterSüß' Mätresse Luziana
Emil HeßSchmied Hans Bogner
Käte Jöken-KönigFrau Bogner
Ursula DeinertPrimaballerina
Erich DunskusMeister der Schmiedezunft
Otto HenningGerichtsvorsitzender
Heinrich SchrothHerr von Neuffer
Hannelore BenzingerDienstmädchen bei Sturm
Ingeborg Albert
Annette Bach
Irmgard Völker
Valy Arnheim
Franz Arzdorf
Walter Bechmann
Fred Becker
Reinhold Bernt
Louis Brody
Wilhelm Egger-Sell
Franz Eschle
Hans Eysenhardt
Bernhard Goetzke
Georg D. Gürtler
Oskar Höcker
Carl Iban
Wilhelm Kaiser-Heyl
Franz Klebusch
Otto Klopsch
Erich Lange
Horst Lommer
Richard Ludwig
Paul Mederow
Hans Meyer-Hanno
Armin Münch
Edgar Nollet
Hellmuth Passarge
Josef Peterhans
Friedrich Petermann
Edmund Pouch
Arthur Reinhardt
Wolfgang Staudte
Walther Suessenguth
Ernst Stimmel
Walter Tarrach
Otz Tollen
Max Vierlinger
Hans Waschatko
Eduard Wenck
Otto Wollmann
  
Produktionsfirma:Terra-Filmkunst GmbH (Berlin) (Herstellungsgruppe Otto Lehmann)
Produktionsleitung:Otto Lehmann
Aufnahmeleitung:Conny Carstennsen, Herbert Sennewald, Kurt Moos
Dreharbeiten:15.03.1940-06.1940:
Erstverleih:Terra-Filmkunst GmbH (Berlin)
Länge:2663 m, 97 min
Format:35mm, 1:1,37
Bild/Ton:s/w, Tobis-Klangfilm
Prüfung/Zensur:Alliierte Militärzensur (DE): 06.1945, Verbot;
Zensur (DE): 06.09.1940, B.54227, Jugendfrei / feiertagsfrei
Aufführung:Uraufführung (IT): 05.09.1940, Venedig, IFF;
Erstaufführung (DE): 24.09.1940, Berlin, Ufa-Palast am Zoo

Titel

Originaltitel (DE) Jud Süß

Fassungen

Original

Länge:2663 m, 97 min
Format:35mm, 1:1,37
Bild/Ton:s/w, Tobis-Klangfilm
Prüfung/Zensur:Alliierte Militärzensur (DE): 06.1945, Verbot;
Zensur (DE): 06.09.1940, B.54227, Jugendfrei / feiertagsfrei
Aufführung:Uraufführung (IT): 05.09.1940, Venedig, IFF;
Erstaufführung (DE): 24.09.1940, Berlin, Ufa-Palast am Zoo
 

Formatfassung

Länge:1060 m, 97 min
Format:16mm
 

Prüffassung

Länge:2640 m, 96 min
Prüfung/Zensur:Zensur (DE): 01.11.1943, B.59532, Jugendfrei ab 14 Jahre / feiertagsfrei