Kleider machen Leute

Kleider machen Leute

Deutschland 1940, Spielfilm

Filme der NS-Zeit sind im Kontext der staatlich beeinflussten Produktion und Rezeption zu sehen. Mehr erfahren »

Inhalt

Der verträumte Schneidergeselle Wenzel wird entlassen, da er den Frack, der für den Bürgermeister bestimmt war, für sich selbst zurechtschnitt. Den Frack, den er verpfuscht hat, darf er aber mitnehmen und zieht ihn auch an. Ein Puppenspieler nimmt ihn in seinem Wagen mit und redet ihn mit Graf an. So wird er in Goldach gebührend empfangen, man hält ihn für Graf Stroganoff, den Abgesandten des Zaren. Obwohl er versucht, mit der Wahrheit herauszurücken, wird er immer wieder fürstlich bewirtet und zu Empfängen eingeladen.

Da taucht der wahre Stroganoff taucht auf, erkennt die Lage und gibt sich als Wenzels Diener aus. Der wird immer unglücklicher in seiner verzwickten Lage, und nach einigen Turbulenzen, die sich gegen Ende, als er bloßgestellt wird, zuspitzen, gesteht er seiner heimlichen Liebe Nettchen die ganze Geschichte. Nach der Novelle von Gottfried Keller.

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Wer hoch fliegt, fällt tief

Helmut Käutner muss das rasche Verbot seines Erstlingfilms noch im Nacken gesessen haben: sein dritter Versuch hält sich aus Allem heraus, was nur andeutungsweise bei den Nazis anecken konnte. Er inszeniert eine romantische Idylle, die mit Täuschung und Realität, mit Schein und Sein virtuos spielt. Dafür stand ihm eine beeindruckende Schar von Schauspielern zur Verfügung. Heinz Rühmann gibt dem arbeitslosen Schneidergesellen genau diese Mischung aus Bescheidenheit und Feigheit, mit der sich das Wunschbild eines exotischen russischen Grafen für die Kleinbürger erfüllt. Souverän und spielfreudig Fritz Odemar als Graf Stroganoff, der das Spiel mit der Maske durchschaut und freudig weiteres Öl ins Feuer gießt. Hertha Feiler als Nettchen ist brav, hübsch, schließlich auch couragiert und lächelt entwaffnend. Käutner aber möbelt diese Novelle von Gottfried Keller mit filmischen Datails auf. „Ein Mann, der auf sich hält, umgibt sich mit Schwermut und Weltschmerz“, sagt das kesse Fräulein von Serafin (Hilde Sessak). Da fällt ihrer Begleitung vor Schreck das Wollknäuel aus der Hand und sie sucht danach auf dem Boden, während die Exzentrische weiter fabuliert. Eine schöne Verfremdung! Ein hübsches Detail: ein alter Herr tanzt die Polonaise mit dem Hörrohr in einer Hand, weil er nicht mehr so gut versteht. Aber zum Schluss gelingt Käutner dann sein Meisterstück: das farbige, turbulente Fastnachtsspiel, das dem Schneiderlein noch einmal seine Geschichte ironisch gebrochen vorführt. Den bedrohlichen Masken und dem schneidenden Rhythmus ist der Geselle nicht gewachsen. Er läuft hinaus und findet dann doch sein Nettchen. Ein weiter Weg vom anfänglichen „Man müsste was gelten in der Welt“ zum wahren, bescheidenen Leben. Kein Wunder, dass die Terra Filmproduktion mehr als zufrieden war. Prädikat: harmlos.

Credits

Regie:Helmut Käutner
Drehbuch:Helmut Käutner
Kamera:Ewald Daub
Schnitt:Helmuth Schönnenbeck
Musik:Bernhard Eichhorn
  
Darsteller: 
Heinz RühmannSchneidergeselle Wenzel
Hertha FeilerNettchen
Hans SternbergAmtsrat und Tuchherr Küchlin
Fritz OdemarGraf Stroganoff
Hilde SessakFräulein von Serafin
Olga LimburgBegleiterin des Fräulein von Serafin
Rudolf SchündlerKonfektionshändler Melcher-Böhni in Goldach
Erich PontoAlter Puppenspieler Christoffel
Hans StiebnerWirt des Gasthauses "Zur Waage" in Goldach
Leopold von LedeburBürgermeister von Seldwyla
Franz WeberSchneidermeister Hürli in Seldwyla
Erwin HoffmannSchneidergeselle Heinrich in Seldwyla
Hugo KnispelHäberlin Senior
Helmut WeissHäberlin Junior
Franz SteinApotheker Püntschli
Marlise LudwigFrau Püntschli
Aribert WäscherSpezereiwarenhändler Nievergelt
Maria LojaFrau Nievergelt
Friedrich PetermannRussischer Lakai Iwan
Jeanette BethgeKöchin in der Gastwirtschaft
Joe FurtnerKutscher aus Basel
Klaus PohlBettler
Conrad Curt CappiDiener bei Püntschli
Karin Lüsebrink1. Dienstmädchen im Wirtshaus "Zur Waage"
Dolly Raphael2. Dienstmädchen im Wirtshaus "Zur Waage"
Paul MehlerLohndiener im Wirtshaus "Zur Waage"
Alfred Karen1. Gast der Verlobungsfeier
Illo Gutschwager2. Gast der Verlobungsfeier
Hella Holz
  
Produktionsfirma:Terra-Filmkunst GmbH (Berlin) (Herstellungsgruppe Heinz Rühmann - Hans Tost)

Alle Credits

Regie:Helmut Käutner
Regie-Assistenz:Rudolf Jugert
Drehbuch:Helmut Käutner
hat Vorlage:Gottfried Keller (Motive der Novelle)
Kamera:Ewald Daub
Kamera-Assistenz:Franz Koch, Johannes Nowak
Standfotos:Erich Kügler, Georg Kügler
Bauten:Robert Herlth, Heinrich Weidemann
Maske:Franz Siebert, Heinz Fuhrmann
Kostüme:Walter Schulze-Mittendorff
Garderobe:Karl-Heinz Stempel, Walter Schröder, Maria Striska
Schnitt:Helmuth Schönnenbeck
Ton:Erich Schmidt
Musik:Bernhard Eichhorn
Gesang:Heinz Rühmann ("Ein Schneider, der muß wandern"), Hertha Feiler ("Taratateiti")
  
Darsteller: 
Heinz RühmannSchneidergeselle Wenzel
Hertha FeilerNettchen
Hans SternbergAmtsrat und Tuchherr Küchlin
Fritz OdemarGraf Stroganoff
Hilde SessakFräulein von Serafin
Olga LimburgBegleiterin des Fräulein von Serafin
Rudolf SchündlerKonfektionshändler Melcher-Böhni in Goldach
Erich PontoAlter Puppenspieler Christoffel
Hans StiebnerWirt des Gasthauses "Zur Waage" in Goldach
Leopold von LedeburBürgermeister von Seldwyla
Franz WeberSchneidermeister Hürli in Seldwyla
Erwin HoffmannSchneidergeselle Heinrich in Seldwyla
Hugo KnispelHäberlin Senior
Helmut WeissHäberlin Junior
Franz SteinApotheker Püntschli
Marlise LudwigFrau Püntschli
Aribert WäscherSpezereiwarenhändler Nievergelt
Maria LojaFrau Nievergelt
Friedrich PetermannRussischer Lakai Iwan
Jeanette BethgeKöchin in der Gastwirtschaft
Joe FurtnerKutscher aus Basel
Klaus PohlBettler
Conrad Curt CappiDiener bei Püntschli
Karin Lüsebrink1. Dienstmädchen im Wirtshaus "Zur Waage"
Dolly Raphael2. Dienstmädchen im Wirtshaus "Zur Waage"
Paul MehlerLohndiener im Wirtshaus "Zur Waage"
Alfred Karen1. Gast der Verlobungsfeier
Illo Gutschwager2. Gast der Verlobungsfeier
Hella Holz
  
Produktionsfirma:Terra-Filmkunst GmbH (Berlin) (Herstellungsgruppe Heinz Rühmann - Hans Tost)
Herstellungsleitung:Heinz Rühmann, Hans Tost
Produktionsleitung:Arthur Kiekebusch
Aufnahmeleitung:Veit Massary, Willi Rother
Dreharbeiten:28.03.1940-07.1940: Freigelände Barrandow-Atelier Prag; Ufastadt Babelsberg, Ufa-Atelier Berlin-Tempelhof
Erstverleih:Terra-Filmkunst GmbH (Berlin)
DVD-Erstanbieter:Black Hill Pictures GmbH (Hamburg)
Länge:2908 m, 106 min
Format:35mm, 1:1,33
Bild/Ton:s/w, Tobis-Klangfilm
Prüfung/Zensur:Zensur (DE): 09.09.1940, B.54235, Jugendfrei
Aufführung:Uraufführung (DE): 16.09.1940, Konstanz;
Erstaufführung: 23.10.1940, Berlin, Marmorhaus

Titel

Originaltitel (DE) Kleider machen Leute

Fassungen

Original

Länge:2908 m, 106 min
Format:35mm, 1:1,33
Bild/Ton:s/w, Tobis-Klangfilm
Prüfung/Zensur:Zensur (DE): 09.09.1940, B.54235, Jugendfrei
Aufführung:Uraufführung (DE): 16.09.1940, Konstanz;
Erstaufführung: 23.10.1940, Berlin, Marmorhaus
 

Prüffassung

Länge:2686 m, 98 min
Format:35mm, 1:1,33
Bild/Ton:s/w, Mono
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 13.01.1950, 00741, Jugendfrei / nicht feiertagsfrei;
FSK-Prüfung (DE): 07.01.1963, 00741, ab 12 Jahre / nicht feiertagsfrei
Aufführung:TV-Erstsendung (DE): 29.01.1957, ARD
 

DVD-Fassung

Format:DVD-9, 4:3
Bild/Ton:s/w, Mono
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 01.03.2004, v3613, ab 12 Jahre
Aufführung:DVD-Einsatz (DE): 01.04.2005