Ludwig II.

Ludwig II.

BR Deutschland 1954/1955, Spielfilm

Inhalt

Das Leben des bayerischen Märchenkönigs – fast ausschließlich an Originalschauplätzen gedreht, beginnt der Film mit Ludwigs Leichenzug und blendet dann zurück. Als junger Mann mit hohen Idealen und den besten Vorsätzen besteigt Ludwig den bayerischen Thron. Doch zwischen 1866 und 1871, der Gründung des deutschen Reiches, verbittert Ludwig immer mehr – Bayern ist nur noch ein Vasall Preußens, obwohl Bismarck vom "letzten großen Monarchen" schwärmt. Ludwigs jüngerer Bruder, Prinz Otto, verfällt zusehends dem Wahnsinn. Wegen seiner Verehrung für Richard Wagner, der ihn schamlos ausnutzt, verkracht er sich mit seinen Beratern, seiner großen Liebe, der Kaiserin Elisabeth von Österreich, "Sissi", muss er entsagen, und Sissis Schwester, Sophie, versteht ihn nicht. Ludwig zieht sich mehr und mehr zurück. Sein aufwändiges Leben und der Bau seiner Märchenschlösser bewirken, dass man ihn entmündigen will. Schließlich wird er auf einem Schloss am Starnberger See festgesetzt. Und eines Nachts entdeckt man die Leichen von Ludwig II. und seinem Psychiater, Dr. Gudden, im Starnberger See.

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Von sich selbst berauscht

Helmut Käutner wollte den Zweiflern zeigen, dass seine Filme doch Kasse machen können. Sein erster Ausstattungsfilm mit Pferden, Kutschen, Soldaten, Hunderten von wohlangezogenen Komparsen, farbenprächtigen Aufmärschen! Dazu ein paranoider König (O.W. Fischer) und fürs Herzeleid eine etwas erwachsenere Sissi (Ruth Leuwerik), unglücklich wie Ludwig und doch unfähig, ihn zu retten. Für jeden etwas. Aber bei aller farbigen Äußerlichkeit spielt O.W. Fischer diesen Ludwig mit allen Ausdrucksnuancen - der das „Schöne um des Schönen willen“ sucht, „ohne Falsch regieren“ will, der die Kaiserin von Österreich hoffnunglos liebt (leicht pathetisch „Wir dürfen unser Unglück leben“) und von dem „Narkotikum“ der Musik Wagners berauscht ist. Wagner - von Paul Bildt herb unangenehm charakterisiert - ist für ihn „kühn und erhaben“. Aber zugleich gerät Ludwig in „groteske Einsamkeit“, entfernt sich immer weiter vom Volk und verliert sich in seinen himmelstürmenden Bauplänen. Aber Käutner zieht auch alle Register. Wenn dann „O sink herab du Nacht der Liebe“ (2. Akt Tristan) in der Münchner Oper erklingt und Ludwig versucht, in der Königsloge mit Sissi vergebens Händchen zu halten - wer würde da nicht ein Tränchen verdrücken. - So balanciert der Regisseur geschickt am Rande des Kitschigen, führt mit einer seltsam repräsentativen Fotografie (Douglas Slocombe) durch die Schlösser und weckt Verständnis für den sensiblen, verlorenen König. Käutner und sein Autor Georg Hurdalek mussten das Drehbuch den Wittelsbachern vorlegen, um überhaupt in den Königsschlössern drehen zu können. Da sind vermutlich alle Hinweise auf Ludwigs homoerotische Neigungen verloren gegangen. Ein Film von Glanz, Glorie und menschlichem Leid. Damals eilte Käutner von Erfolg zu Erfolg. Nur fünf Wochen nach der Uraufführung des „Ludwig-“Films fand die Premiere von „Des Teufels General“ statt. Eine Glückssträhne.

Credits

Regie:Helmut Käutner
Drehbuch:Georg Hurdalek, Peter Berneis (Bearbeitung)
Kamera:Douglas Slocombe
Schnitt:Anneliese Schönnenbeck
  
Darsteller: 
O. W. FischerKönig Ludwig II. von Bayern
Ruth LeuwerikKaiserin Elisabeth von Österreich
Marianne KochPrinzessin Sophie
Paul BildtRichard Wagner
Friedrich DominReichskanzler Otto von Bismarck
Rolf KutscheraGraf Holnstein
Herbert HübnerHerr von Pfistermeister
Robert MeynProf. Dr. Gudden
Rudolf FernauPrinz Luitpold
Willy RösnerMinisterpräsident von Lutz
Klaus KinskiPrinz Otto
Fritz OdemarGeneral von der Tann
Erik FreyKaiser Franz Joseph von Österreich
Albert JohannesMinister Fürst Hohenfels
Erica BalquéCosima von Bülow
Walter RegelsbergerGraf Dürckheim
Hans QuestKapellmeister Eckert
Horst HächlerPrinz Louis Ferdinand
Wolfried LierKammerdiener Mayr
Harry FeistLeibkoch
Rolf Kralovitz
Karl Hellmer
Herbert von Karajan
Wiener Philharmoniker (Wien)
  
Produktionsfirma:Aura-Film Produktion GmbH (München)
Produzent:Conrad von Molo, Wolfgang Reinhardt

Alle Credits

Regie:Helmut Käutner
Regie-Assistenz:Erica Balqué
Drehbuch:Georg Hurdalek, Peter Berneis (Bearbeitung)
hat Vorlage:Kadidja Wedekind (Erzählung)
Kamera:Douglas Slocombe
Kameraführung:Karl Breslow
Kamera-Assistenz:Herbert Geier, Horst Fehlhaber
Standfotos:Gabriele Du Vinage
Bauten:Hein Heckroth (Gesamtausstattung), Fritz Lück
Maske:Raimund Stangl, Anita Greil
Kostüme:Ursula Maes, Felicitas Bergmann (Assistenz)
Schnitt:Anneliese Schönnenbeck
Schnitt-Assistenz:Margot Mohrbutter, Ingeborg Teigeler
Ton:Martin Müller
Ton-Assistenz:Bruno Suckau
Musik-Bearbeitung:Heinrich Sutermeister
Musikalische Vorlage:Richard Wagner
Dirigent:Kurt Graunke
Musik-Ausführung:Symphonie-Orchester Graunke (München)
  
Darsteller: 
O. W. FischerKönig Ludwig II. von Bayern
Ruth LeuwerikKaiserin Elisabeth von Österreich
Marianne KochPrinzessin Sophie
Paul BildtRichard Wagner
Friedrich DominReichskanzler Otto von Bismarck
Rolf KutscheraGraf Holnstein
Herbert HübnerHerr von Pfistermeister
Robert MeynProf. Dr. Gudden
Rudolf FernauPrinz Luitpold
Willy RösnerMinisterpräsident von Lutz
Klaus KinskiPrinz Otto
Fritz OdemarGeneral von der Tann
Erik FreyKaiser Franz Joseph von Österreich
Albert JohannesMinister Fürst Hohenfels
Erica BalquéCosima von Bülow
Walter RegelsbergerGraf Dürckheim
Hans QuestKapellmeister Eckert
Horst HächlerPrinz Louis Ferdinand
Wolfried LierKammerdiener Mayr
Harry FeistLeibkoch
Rolf Kralovitz
Karl Hellmer
Herbert von Karajan
Wiener Philharmoniker (Wien)
  
Produktionsfirma:Aura-Film Produktion GmbH (München)
Produzent:Conrad von Molo, Wolfgang Reinhardt
Produktionsleitung:Herbert Junghanns, Hermann Ludwig
Aufnahmeleitung:Anton Höhn, Willy Kieninger
Dreharbeiten:03.08.1954-11.10.1954: Hohenschwangau, Neuschwanstein, Herrenchiemsee; Bavaria-Atelier München-Geiselgasteig
Erstverleih:Schorcht Filmgesellschaft mbH (München)
Länge:3121 m, 114 min
Format:35mm, 1:1,33
Bild/Ton:Eastmancolor, Ton
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 01.12.1954, 08952, ab 12 Jahre / feiertagsfrei
Aufführung:Uraufführung: 14.01.1955, München, Rathaus-Lichtspiele;
Uraufführung (DE): 14.01.1955, München, Sendlinger Tor;
TV-Erstsendung: 10.09.1965, ZDF

Titel

Originaltitel (DE) Ludwig II.
Weiterer Titel Glanz und Elend eines König
Weiterer Titel Glanz und Ende eines Königs

Fassungen

Original

Länge:3121 m, 114 min
Format:35mm, 1:1,33
Bild/Ton:Eastmancolor, Ton
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 01.12.1954, 08952, ab 12 Jahre / feiertagsfrei
Aufführung:Uraufführung: 14.01.1955, München, Rathaus-Lichtspiele;
Uraufführung (DE): 14.01.1955, München, Sendlinger Tor;
TV-Erstsendung: 10.09.1965, ZDF
 

Auszeichnungen

Bambi 1956
Geschäftlich erfolgreichster deutscher Film 1955 (ex aequo >Canaris<)
 
Deutscher Filmpreis 1955
Filmband in Gold, Bester Darsteller
 
FBW 1954
Prädikat: wertvoll