Martina

Martina

BR Deutschland 1949, Spielfilm

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Schämt sich denn keiner?

„Hergestellt im blockierten Berlin“ ist der erste Satz dieses Films. War die Berliner Blockade schuld an dem Mißerfolg (damals wie heute) dieses Films? Kein Lichtblick nirgendwo! Jeanette Schultze hat überhaupt keine Möglichkeit, die zerrissene und traumatisierte junge Frau so darzustellen, dass sie wenigstens mit einem Hauch von Glaubwürdigkeit daherkommt. Cornell Borchers sieht zwar gut und frisch und jung aus - aber sie redet daher mit einer besserwisserischen Chuzpe, dass alle Sympathien sofort wieder verfliegen und agiert zudem merkwürdig gestelzt. Siegmar Schneider ist laut und polternd und als verstrickter Liebhaber einfach der Falsche. - Eine Prostituierte wird auf den rechten Lebensweg zurückgebracht - „um die moralische Gesundung unseres Volkes“ (O-Ton) zu befördern. Das ist der moralische Zeigefinger. Prostituierte? Der Film meidet das Wort - man war noch nachkriegsverlogen. Junge Mädchen wurden zum „Fräulein“, was damals im besetzten Berlin hieß: Körperchen verkaufen für‘s Nötigste. Es wird suggeriert, aber nicht benannt. Selbst der Richter meidet das Wort. Was wollten denn die Autoren überhaupt? Unsäglich wird es, wenn Cornell Borchers über psychologische Grundfragen daherplappert und zu Erkenntnissen gelangt wie: „Man zahlt ja immer drauf im Leben“. Dann aber naht sich der Höhepunkt - Martina verunglückt auf der Straße. In der beginnenden Narkose auf dem Operationstisch wird sie plötzlich ihr traumatisches Erlebnis los, kann darüber reden, holt die Vorgänge noch einmal zurück und es klärt sich alles als Irrtum auf. Unfall als hermeneutischer Vorgang. Man wollte ja positiv sein. Zudem wirkt alle angebliche Dramatik von aussen aufgesetzt und macht das Zuschauen zu einer Zenübung in langer Weile. Man müsste nebenher Solitaire spielen können. Zaghaft wird auf der DVD angemerkt, dass Rühmann diesen Film produziert hat. Stimmt - nur war „Martina“ ein weiterer Sargnagel auf Rühmanns hochfahrender und ruinöser Produzentenkarriere. Ein Film zum Schämen.

Credits

Alle Credits

Regie:Arthur Maria Rabenalt
Drehbuch:Grete Illing
Drehbuch-Mitarbeit:Werner Illing, Otto Bernhard Wendler
Kamera:Albert Benitz
Bauten:Willi A. Herrmann, Gabriel Pellon
Kostüme:Gertrud Recke
Schnitt:Walter Boos, Walter Wischniewsky
Ton:Hans Löhmer
Musik:Werner Eisbrenner
  
Darsteller: 
Jeanette SchultzeMartina Rieß / Tiny Kuczinsky
Cornell BorchersIrene
Siegmar SchneiderVolker
Albert HehnDonny
Werner HinzProfessor Rauscher
Arno PaulsenKuchenreuther
Kurt Vespermann
Dieter Angermann
Margarete Kupfer
Alfred Beierle
Herbert von Boxberger
Antonie Jaeckel
  
Produktionsfirma:Comedia-Filmgesellschaft mbH (München-Geiselgasteig)
Produzent:Alf Teichs, Heinz Rühmann
Herstellungsleitung:Alf Teichs
Produktionsleitung:Werner Drake
Aufnahmeleitung:Bruno Michalk, Max Paetz
Erstverleih:Schorcht Filmgesellschaft mbH (München)
Länge:2664 m, 97 min
Prüfung/Zensur:Alliierte Militärzensur (DE): 07.1949
Aufführung:Erstaufführung (DE): 19.08.1949, Berlin/West

Titel

Originaltitel (DE) Martina

Fassungen

Original

Länge:2664 m, 97 min
Prüfung/Zensur:Alliierte Militärzensur (DE): 07.1949
Aufführung:Erstaufführung (DE): 19.08.1949, Berlin/West
 

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