Morgenrot

Morgenrot

Deutschland 1932/1933, Spielfilm

Filme der NS-Zeit sind im Kontext der staatlich beeinflussten Produktion und Rezeption zu sehen. Mehr erfahren »

Inhalt

Pflichterfüllung ist für den U-Boot-Kommandanten Kapitänleutnant Liers die höchste Tugend, auch wenn ihm der Abschied von der Heimat jedesmal schwer fällt. Nun werden er und seine beiden alten Kameraden, Funker Jaul und Oberleutnant Fredericks, wieder einmal einberufen, um in ihrem Boot der mächtigen englischen Flotte entgegenzutreten. Auch Jaul und Fredericks fällt der Abschied dieses Mal besonders schwer, da beide frisch verliebt sind und ihre Mädels zurücklassen müssen. Und Liers′ Mutter mag ihren Sohn kaum fahren lassen, hat sie doch schon zwei Söhne in diesem Krieg verloren, an dessen Sinn sie ohnehin zweifelt. Zunächst verlaufen die gefährlichen U-Boot-Einsätze erfolgreich: Ein britischer Kreuzer nach dem anderen wird versenkt. Aber die Erfolge machen Liers übermütig, und so greift er eines Tages einen Kreuzer an, der von Zerstörern flankiert wird. Das U-Boot kann nach dem Angriff zwar schnell genug abtauchen, wird aber wenig später in eine Falle gelockt. Schwer beschädigt sinkt das Boot in die Tiefe; die zehn überlebenden Besatzungsmitglieder finden in einem kleinen Raum Zuflucht. Jetzt stehen die Männer vor einer schweren Entscheidung: Es gibt nur acht Tauchretter, also müssten zwei Männer zurückbleiben und dem Tod ins Auge sehen. Aber: wer soll leben, wer muss sterben? In den letzten Tagen der Weimarer Republik gedreht und einer der ersten Propagandafilme des NS-Regimes.

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Vom "fabelhaften" Sterben

Dies ist kein Nazifilm - da sind sich Brecht/Loacker/Steiner (in ihrem Buch über Ucicky) und Kracauer (in seiner Rezenion von 1933) einig. Es stimmt vielleicht vordergründig, jedoch nicht auf einer zweiten Ebene. Es wäre sicher falsch, die Qualitäten dieses Films in Abrede zu stellen. Aber schon ein Satz wie „Ehre einlegen für die Heimat“ lässt eine Richtung erkennen. Nehmen wir Adele Sandrock, sonst die komische Alte, die hier ein pazifistisches Bekenntnis ablegt, als sie hört, dass ihrem Sohn nichts passiert ist: „Ich freue mich nicht, dass die Leute auf dem U-Boot wohlauf sind, aber einen Grund zum Stolzsein gibt es auch nicht...Sie haben ihre Pflicht getan und die Pflicht war eine bittere. Warum soll man sich freuen, wenn dabei wer weiß wieviele Menschen ihr Leben geopfert haben“. Ucicky bringt hier einen Tonfall ins Spiel, der im Film nicht wieder aufgenommen wird. Die Kamera schaut der alten Dame von halb unten ins Gesicht, und sie sagt diese Worte in einer derart stilisierten Form, dass es ein isoliertes Statement bleibt, das den Film nicht durchdringt. Wahres, unwahr gemeint. Dann der Kapitänleutnant, gespielt von Rudolf Forster. Nicht einmal im Angesicht des Todes in dem gesunkenen U-Boot erlaubt ihm der Regisseur, menschlich, privat zu werden. Er bleibt eisern bei seiner Rolle, so als hätte er Angst, dass die „Pflicht“ sich als sinnlos erweisen könnte. Pflichterfüllung als Grundzug deutschen Wesens. „Zu leben verstehen wir Deutschen vielleicht schlecht, aber sterben fabelhaft“. Nur wenn die „Pflicht“ in den Tod führt, ist der Deutsche ganz bei sich? Das mag sarkastisch gemeint sein, bleibt jedoch ungut haften. Nach dem Sinn des Krieges allerdings fragt der Film nicht. Bei seiner Premiere saßen Hitler und seine Mannen in der Kinologe. Ihnen muss dieses Epos über Pflicht und Ehre deutscher Soldaten sehr à propos gekommen sein. Regisseur Ucicky und Menzel (sein Autor) standen beide dem aufziehenden Nationalsozialismus höchst positiv gegenüber. Filme wie dieser aber haben den Teppich ausgerollt für das, was dann kam.

Credits

Regie:Gustav Ucicky
Drehbuch:Gerhard Menzel
Kamera:Carl Hoffmann
Schnitt:Eduard von Borsody
Musik:Herbert Windt
  
Darsteller: 
Rudolf ForsterKapitänleutnant Liers, U-Boot-Kommandant
Adele SandrockMutter Liers
Fritz GenschowOberleutnant Fredericks
Camilla SpiraTochter Grete Jaul
Paul WestermeierBordfunker Jaul
Gerhard BienertSteuermann Böhm
Friedrich GnaßTorpedomatrose Juraczik
Franz NicklischMatrose Petermann
Hans LeibeltBürgermeister von Meerskirchen
Else KnottHelga, Tochter des Bürgermeisters
Eduard von WintersteinHauptmann Kolch
Charles BushEnglischer Seemann
Frank PerfittEnglischer Seemann
William CavanaghEnglischer Seemann
G. W. StroudEnglischer Seemann
A. A. F. TrebesEnglischer Seemann
Oscar Aigner
Gerhard Dammann
Kate Kühl
Walter Kuhle
Gerhard Menzel
Rudolf Platte
Hedwig Schlichter
Ludwig Stössel
Elsa Wagner
Gertrud Wolle
  
Produktionsfirma:Universum-Film AG (UFA) (Berlin)

Alle Credits

Regie:Gustav Ucicky
Drehbuch:Gerhard Menzel
Idee:E. Freiherr von Spiegel
Kamera:Carl Hoffmann
Kamera-Assistenz:Günther Anders
Standfotos:Horst von Harbou
Bauten:Robert Herlth, Walter Röhrig
Maske:Wilhelm Weber
Garderobe:Fritz Schilling
Schnitt:Eduard von Borsody
Ton:Hermann Fritzsching
Beratung:Kapitänleutnant a.D. Fürbringer
Musik:Herbert Windt
  
Darsteller: 
Rudolf ForsterKapitänleutnant Liers, U-Boot-Kommandant
Adele SandrockMutter Liers
Fritz GenschowOberleutnant Fredericks
Camilla SpiraTochter Grete Jaul
Paul WestermeierBordfunker Jaul
Gerhard BienertSteuermann Böhm
Friedrich GnaßTorpedomatrose Juraczik
Franz NicklischMatrose Petermann
Hans LeibeltBürgermeister von Meerskirchen
Else KnottHelga, Tochter des Bürgermeisters
Eduard von WintersteinHauptmann Kolch
Charles BushEnglischer Seemann
Frank PerfittEnglischer Seemann
William CavanaghEnglischer Seemann
G. W. StroudEnglischer Seemann
A. A. F. TrebesEnglischer Seemann
Oscar Aigner
Gerhard Dammann
Kate Kühl
Walter Kuhle
Gerhard Menzel
Rudolf Platte
Hedwig Schlichter
Ludwig Stössel
Elsa Wagner
Gertrud Wolle
  
Produktionsfirma:Universum-Film AG (UFA) (Berlin)
Produktionsleitung:Günther Stapenhorst
Aufnahmeleitung:Erich von Neusser
Dreharbeiten:10.1932-11.1932: Kiel und Umgebung, Nordsee bei Helsingfors, auf einem finnischen U-Boot; Ufa-Atelier Neubabelsberg
Erstverleih:Universum-Film Verleih GmbH (Ufa) (Berlin)
Späterer Verleih:Transit Film GmbH (München)
Länge:2338 m, 85 min
Format:35mm, 1:1,33
Bild/Ton:s/w, Tobis-Klangfilm
Prüfung/Zensur:Alliierte Militärzensur (DE): 06.1945, Verbot;
Zensur (DE): 26.01.1933, O.06209, Genehmigt;
Zensur (DE): 20.01.1933, B.32990, Verbot
Aufführung:Uraufführung (DE): 31.01.1933, Essen, Schauburg;
Erstaufführung (DE): 02.02.1933, Berlin, Ufa-Palast am Zoo

Titel

Originaltitel (DE) Morgenrot
Arbeitstitel Und setzt ihr nicht das Leben ein... (Das Denkmal des deutschen U-Bootes)

Fassungen

Original

Länge:2338 m, 85 min
Format:35mm, 1:1,33
Bild/Ton:s/w, Tobis-Klangfilm
Prüfung/Zensur:Alliierte Militärzensur (DE): 06.1945, Verbot;
Zensur (DE): 26.01.1933, O.06209, Genehmigt;
Zensur (DE): 20.01.1933, B.32990, Verbot
Aufführung:Uraufführung (DE): 31.01.1933, Essen, Schauburg;
Erstaufführung (DE): 02.02.1933, Berlin, Ufa-Palast am Zoo
 

Prüffassung

Länge:2298 m, 84 min
Format:35mm, 1:1,33
Bild/Ton:s/w, Ton
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 17.10.1986, 51313, ab 18 Jahre / nicht feiertagsfrei
 
Länge:2255 m, 82 min
Format:35mm, 1:1,33
Bild/Ton:s/w, Tobis-Klangfilm
Prüfung/Zensur:Zensur (DE): 12.02.1940, B.53308, Jugendfrei;
Zensur (DE): 25.11.1939, B.52781, Jugendfrei