Bayerischer Filmpreis 2015 verliehen

16.01.2016 | 00:59 Uhr

Bayerischer Filmpreis 2015 verliehen

Bereits zum 37. Mal wurde am heutigen Freitag, 15. Januar 2016, im Münchner Prinzregententheater der Bayerische Filmpreis verliehen. Für die Beste Produktion "Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück" wurden Benjamin Herrmann und Christian Becker geehrt.

Die Produzenten nahmen den mit 200.000 Euro dotierten Hauptpreis der von Christoph Süß moderierten Gala gemeinsam mit Regisseur Florian Gallenberger von Florian David Fitz entgegen. Der Gewinnerfilm, der am 18. Februar in den deutschen Kinos startet, sei "herausragend besetzt mit Emma Watson und Daniel Brühl", so die Jury in ihrer Begründung. In ihm werde "die Verstrickung der unheilvollen menschenverachtenden Sekte Colonia Dignidad mit der chilenischen Militärdiktatur für ein breites Publikum thematisiert und sichtbar gemacht."

Als Bester Regisseur wurde Kai Wessel für seinen Film "Nebel im August" ausgezeichnet, der sich mit der dem Schicksal behinderter und kranker Kinder während der NS-Euthanisierungsprogramme auseinandersetzt. "Die sensible Inszenierung von Kai Wessel lässt den Zuschauern Zeit, um selbst zu entdecken, wer lügt und wer die Wahrheit sagt, bevor das ganze Ausmaß sichtbar wird", befand die Jury.

Die Darstellerpreise gingen zum einen an Rosalie Thomass für ihre intensive und emotionale Rolle als freiwillige Helferin Marie in Doris Dörries Drama "Grüße aus Fukushima", das im März in die Kinos kommt, und zum anderen an Burghart Klaußner für seine bis ins Detail verfeinerte Darstellung des eigenwilligen Generalstaatsanwalts und Nazi-Jägers Fritz Bauer in Lars Kraumes "Der Staat gegen Fritz Bauer".

Den Filmemachern Burhan Qurbani und Martin Behnke wurde gemeinsam der Pierrot für das Beste Drehbuch überreicht. Das Buch, auf dem das momentan wieder sehr aktuelle und dringliche Drama "Wir sind jung. Wir sind stark." beruht, "geht weit über eine historische Darstellung hinaus. Es zeichnet ein Klima der Entmenschlichung in der sogenannten Mitte der Gesellschaft", begründete die Jury ihre Entscheidung. Die beiden Preisträger wandten sich in ihrer Dankesrede überdies mit einem eindringlichen Appell für Menschlichkeit und gegen physische wie sprachliche Gewalt an das Publikum.

Den Bayerischen Filmpreis für die Beste Bildgestaltung konnte Jo Heim entgegennehmen. Für Jost Vacano sei dieser nicht nur ein "technisch brillianter" Kameramann, sondern sein größtes Können liege insbesondere darin, dass er "die Menschen lebendig werden lässt", wie er in seiner Arbeit am Dokumentarfilm "Ein letzter Tango" und dem Horror-Thriller "Unfriend" im letzten Jahr beweisen konnte.

Als Bester Dokumentarfilmer wurde Jens Schanze ausgezeichnet, dessen engagierter Film "La Buena Vida – Das gute Leben" über fünf Jahre die Umsiedlung eines Dorfes im Norden Kolumbiens begleitete, das dem Kohleabbau weichen musste. "Mit einer klaren Haltung führt er dem Zuschauer vor Augen, welche Konsequenzen der Energiekonsum der westlichen Welt an anderen Stellen der Erde auslöst", so die Jury.

Die Nachwuchspreise gingen an Uisenma Borchu für die Regie, die in ihrem intensiven und auch intimen Drama "Schau mich nicht so an" neben Sepp Bierbichler und Catrina Stemmer auch selbst die Hauptrolle spielt, sowie für die Darsteller an das Ensemble der Schulklasse von Bora Dagtekins deutscher High-School-Komödie "Fack Ju Göhte 2", nämlich Aram Arami, Max von der Groeben, Gizem Emre, Jella Haase, Lucas Reiber und Anna Lena Klenke.

Im Rahmen des Bayerischen Filmpreises wurde weiterhin der mit 60.000 Euro dotierte Nachwuchsproduzentenpreis der VGF verliehen, der in diesem Jahr an Dorothe Beinemeier für den dystopischen Thriller "Boy 7" ging.

Gert Wilden Jr. konnte sich über den Bayerischen Filmpreis in der Kategorie Beste Filmmusik freuen. Dem Komponist gelang es, so die Jury, im historischen Film wie "Die Kinder des Fechters" oder "Hannas schlafende Hunde" vortrefflich "die Stimmung seiner Zeit und die Befindlichkeit seiner Protagonisten musikalisch in Szene zu setzen".

Der Preis für den Besten Kinderfilm "Heidi" wurde den beiden Produzenten Uli Putz und Jakob Claussen von Hauptdarstellerin Anuk Steffen und "Almöhi" Bruno Ganz überreicht. Ihnen sei es laut Jury gelungen, "die vertraute Geschichte mit aktueller Vitalität neu zum Leben zu erwecken."

Über 20.000 Teilnehmer hatten sich bereits im Vorfeld bei der Online-Abstimmung zum Publikumspreis beteiligt, der jedoch nicht an "Fack Ju Göhte 2", den besucherstärksten deutschen Film des Jahres 2015 ging, sondern an Til Schweigers einfühlsame Tragikomödie "Honig im Kopf".

Mit dem Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten, den Staatsministerin Ilse Aigner stellvertretend überreichte, wurde schließlich Molly von Fürstenberg, Mitbegründerin von Olga Film, für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, die insbesondere dafür gelobt wurde, Unterhaltungsfilme mit Anspruch zu produzieren sowie Nachwuchstalente zu entdecken und zu fördern.

Quelle und sämtliche Preisträger sowie die Jurybegründungen: www.bayern.de