Christoph Schlingensief ist tot

23.08.2010 | 10:39 Uhr

Christoph Schlingensief ist tot

Der Regisseur Christoph Schlingensief ist am Samstag nach mehrjähriger Krankheit seinem Lungenkrebsleiden erlegen. Diese Nachricht wurde von einem Sprecher der Ruhrtriennale in Mülheim und Schlingensiefs Familie am Wochenende bestätigt.

Schlingensief hatte sich seit den 80er Jahren einen Namen als Film-, Theater- und Opernregisseur, Aktionskünstler, Autor und Talkmaster gemacht. Er galt als einer der bekanntesten, innovativsten und gleichzeitig umstrittensten Akteure der Kulturlandschaft Deutschlands.

1960 in Oberhausen geboren und durch die dort stattfindenden Kurzfilmtage inspiriert, begann Christoph Schlingensief schon im Alter von acht Jahren mit ersten filmischen Experimenten. Neben seinem Germanistikstudium arbeitete er als Kamera-Assistent von Franz Seitz und Regie-Assistent von Werner Nekes und drehte eigene Kurzfilme.

1983 produzierte er seinen ersten Langfilm "Tunguska – Die Kisten sind da". Seinen Ruf als Enfant terrible begründete Schlingensief Anfang der 90er Jahre mit seiner "Deutschlandtrilogie", bestehend aus den drei Filmen "100 Jahre Adolf Hitler" (1988/89), "Das deutsche Kettensägenmassaker" (1990) und "Terror 2000" (1992). In den Folgejahren verlagerte er den Schwerpunkt seiner Arbeit auf das Theater (z.B. Volksbühne Berlin) und auf Live-Aktionen – in denen er mit Außenseitern der Gesellschaft, wie Obdachlosen, Drogenabhängigen oder Asylbewerbern zusammenarbeitete.

Immer wieder verflocht er Politik und Kunst in seinen provokanten Aktionen. So wurde er z.B. 1997 auf der documenta X in Kassel wegen eines Schildes mit der Aufschrift "Tötet Helmut Kohl" von der Polizei festgesetzt. Im Bundestagswahlkampf 1998 trat er mit einer eigenen Partei namens "Chance 2000" an. Neben seiner Theaterarbeit wirkte Schlingensief weiterhin in Filmproduktionen mit – u.a. als Regisseur, Darsteller, Drehbuchautor.

Anfang 2008 wurde bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert. Schon kurz nach der Diagnose stellte Schlingensief seine Krankheit in den Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens, indem er sie zum Thema verschiedener Inszenierungen machte. Anfang 2009 veröffentlichte er sein "Tagebuch einer Krebserkrankung".

Ebenfalls 2009 war Christoph Schlingensief Jury-Mitglied bei der Berlinale 2009. Im selben Jahr kam auch seine letzte filmische Regiearbeit "Christoph Schlingensief - Die Piloten" ins Kino. Christoph Schlingensief erhielt mehrere Auszeichnungen für seine Arbeit, u.a. den Nordrheinwestfälischen Produzentenpreis für "Tunguska – Die Kisten sind da", den Filmpreis der Stadt Hof (2005) und 2009 den Helmut-Käutner Preis. Am 24. Oktober wäre Christoph Schlingensief 50 Jahre alt geworden.