Festival des deutschen Films will Kino- und Fernsehfilme künftig gleich behandeln

01.06.2010 | 16:07 Uhr

Festival des deutschen Films will Kino- und Fernsehfilme künftig gleich behandeln



Der mit 50.000 Euro dotierte "Filmkunstpreis", der vom Festival des deutschen Films in Ludwigshafen verliehen wird, soll zukünftig gleichberechtigt nicht nur an reine Kinoproduktionen und Kino-Fernseh-Misch-Produktionen gehen, sondern ab 2011 auch an reine Fernsehproduktionen in Deutschland.


Das Festival ruft die deutschen Fernsehanstalten dazu auf, die in den folgenden 12 Monaten fertig gestellten Filme dafür einzureichen.

Um die Ansicht zu belegen, wie richtig und angemessen die künftige Gleichbehandlung reiner TV-Produktionen mit reinen Kinoproduktionen sei, präsentiert das Festival im Juni 2010 eine Auswahl von bereits intensiv ausgestrahlten Fernsehwerken und vergibt an einen dieser fünf dafür nominierten Fernsehfilme einmalig einen "Filmkunst-Sonderpreis Herausragender Fernsehfilm".

Festivaldirektor Dr. Michael Kötz begründet die Neuausrichtung des Festivals wie folgt: "Nur ein sehr kleiner Teil der jährlich in Deutschland entstehenden, künstlerisch erwähnenswerten Filmwerke sind im Kino zu sehen. Nur jedes sechste Kino in Deutschland zeigt solche Filme überhaupt, und selbst dort laufen sie oft nur mit sehr geringer Akzeptanz der Zuschauer. Nahezu 100 Filmfestivals in Deutschland beweisen andererseits wie groß die Nachfrage nach intelligentem Kino ist. Sie sind zum Erlebnisort für Filmkunst geworden. Zur gleichen Zeit hat sich das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen in Deutschland zu einer Art Qualitätsgarant für Filmkunst entwickelt – mit einer im Verhältnis zum tatsächlichen Kino ungleich extensiveren Erfahrungsmöglichkeit mit intelligentem Film. Hier sind sogar fünf Millionen Zuschauer für einen künstlerisch bemerkenswerten Film möglich. Im gegenwärtigen Kino wäre ein Film, den ebenfalls fünf Millionen Zuschauer besucht haben, dagegen von geradezu unterirdischer Qualität. Mit andern Worten: ohne das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen wäre der Fortbestand künstlerisch erwähnenswerter deutscher Filme kaum denkbar."

Weil Kinounternehmer, die Qualitätsfilme zeigen, heute mehr denn je um ihr wirtschaftliches Überleben kämpften, sei allein das Aussprechen dieser faktischen Bedeutung des Fernsehens innerhalb der Kinobranche ein Tabu, so die Verlautbarung des Festivals. Man werde als Gegner des Kinos missverstanden, wenn man auf den wichtigen Kooperationspartner Fernsehen verweist, ohne den es Qualitätsfilme in ausreichender Anzahl überhaupt nicht gäbe.

Kötz weiter: "Es geht darum, ein Bewusstsein für intelligentes Kino wach zu halten. Als Filmfestivalmacher wünschen wir uns Filmwerke, die ein lebendiges und authentisches Mittel der Welterfahrung und Selbstreflexion sind und eine Situation der Rezeption, die nicht von der Einsamkeit der Bildschirme daheim geprägt ist. Deshalb wünschen wir uns, dass das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen in Deutschland die ganze Stärke seiner hoch qualifizierten Redaktionen einbringt und das Kino sich mit neuen Strategien als Erlebnisort der Filmkunst bestätigt."

Der mit 50.000 Euro dotierte Filmkunstpreis kann somit ab 2011 auch an reine Fernsehproduktionen in Deutschland gehen. Die einzige Bedingung wird sein, dass die Filme noch nicht ausgestrahlt wurden, so wie sie noch nicht im Kino gelaufen sein dürfen. Der Filmkunstpreis geht dabei weiterhin immer zu gleichen Teilen an die Regie und an die Produktionsseite (ggf. hier sowohl die TV-Redaktion wie der beauftragte Produzent).

Nominiert für den einmaligen "Filmkunst-Sonderpreis Herausragender Fernsehfilm" 2010 sind die Filmwerke: "Wohin mit Vater", Regie: Tim Trageser – "Romy", Regie: Torsten C. Fischer – "Altlasten" (Tatort), Regie: Eoin Moore – "Erntedank – ein Allgäukrimi" , Regie: Rainer Kaufmann – "Masserberg", Regie: Martin Enlen.

Die Preisverleihung findet statt am 24. Juni 2010, 20.15 Uhr, Festivalkino 1, Parkinsel, Ludwigshafen am Rhein. Das 6. Festival des deutschen Films findet vom 16. bis 27. Juni 2010 auf der Parkinsel Ludwigshafen statt.

Weitere Informationen:
www.festival-des-deutschen-films.de

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