Große Wolfgang-Staudte-Retrospektive im Filmmuseum München

01.03.2010 | 19:22 Uhr

Große Wolfgang-Staudte-Retrospektive im Filmmuseum München



Vom 5. März bis 12. Juni 2010 zeigt das Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum eine komplette Werkschau des Regisseurs Wolfgang Staudte, der vor allem durch den ersten (ost-)deutschen Nachkriegsfilm "Die Mörder sind unter uns" (1946) bekannt geworden ist.


Die Retrospektive umfasst 35 Regiearbeiten, darunter viele Raritäten, und zwei Filme aus den Jahren 1930 und 1931, in denen Wolfgang Staudte als Schauspieler mitgewirkt hat. Der in Saarbrücken geborene Wolfgang (Georg Friedrich) Staudte gilt als einer der wichtigsten deutschen Regisseure der Nachkriegszeit. Nach "Die Mörder sind unter uns" arbeitete er weiterhin hauptsächlich für die ostdeutsche Produktionsfirma DEFA, so bei "Rotation" (1948/1949) und "Der Untertan" (1951), einer filmischen Umsetzung des Romans von Heinrich Mann. In beiden Filmen attackierte Staudte vor allem die Borniertheit des unpolitischen Kleinbürgers in der deutschen Geschichte. Nach der Premiere des "Untertan", der im Westen fünf Jahre lang verboten blieb, nannte ihn der "Spiegel" einen "politischen Kindskopf" und "verwirrten Pazifisten". 1955 verließ Staudte die DDR und siedelte in die BRD über. Staudte resümierte, wie schwer es sei, "die Welt verbessern zu wollen mit dem Geld von Leuten, die die Welt in Ordnung finden".

Im Westen wurde ihm zunächst keine Möglichkeit geboten, seine gesellschaftskritischen Anliegen zu inszenieren. Erst 1959 konnte er mit "Rosen für den Staatsanwalt" wieder einen Erfolg sowohl bei der Kritik als auch beim Publikum erreichen und lieferte damit eines der seltenen Beispiele für eine kritische Thematisierung der nationalsozialistischen Vergangenheit im bundesdeutschen Spielfilm der 1950er Jahre. 1962 galt Staudte – ähnlich wie sein Regiekollege Helmut Käutner - nach dem Oberhausener Manifest im Kino nicht mehr als zeitgemäß. Sein Film "Herrenpartie" (1964), eine Mischung aus politischer Satire und Schicksalstragödie, der die Vergangenheitsbewältigung der Deutschen in der Nachkriegszeit thematisierte, wurde vom Publikum und der Kritik abgelehnt.

Seit Ende der 1960er Jahre arbeitete Staudte vor allem für das Fernsehen, für das er Krimifolgen für die Serien "Tatort" und "Der Kommissar" inszenierte sowie den Mehrteiler "Der Seewolf" (1971). 1977 drehte er die erfolgreiche Familienserie "MS Franziska".

Alle Titel und Termine unter:
www.filmmuseum-muenchen.de

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