Hälfte des Programms für "Perspektive Deutsches Kino" steht fest

20.12.2010 | 14:50 Uhr

Hälfte des Programms für "Perspektive Deutsches Kino" steht fest



Mit sechs eingeladenen Filmen steht vor Weihnachten die Hälfte des Programms der Perspektive Deutsches Kino 2011 fest.


Am Berlinale Kinotag, dem 20. Februar, werden traditionell der Gewinner des Spielfilm-Wettbewerbs "Max Ophüls Preis 2011" und erstmalig auch der Gewinner des "First Steps Award 2010" im Bereich Dokumentarfilm ("Ein Sommer voller Türen", Regie: Stefan Ludwig) präsentiert. So kommen drei Veranstalter, die sich für den deutschen Filmnachwuchs einsetzen, zusammen: First Steps, Max Ophüls Preis und die Perspektive Deutsches Kino der Berlinale.

"Dass der deutsche Dokumentarfilm überall im Kino und auf internationalen Festivals bei Publikum und Kritik geschätzt wird, wollen wir mit diesem festen Platz im Programm der Perspektive Deutsches Kino würdigen", kommentiert Sektionsleiterin Linda Söffker. "Die gesamte aktuelle Programmauswahl zeigt, dass das jüngste deutsche Kino die Herausforderung sucht. Sowohl inhaltlich als auch formal beweisen die Filmemacher Mut zur Auseinandersetzung mit aktuellen und brisanten Themen unserer Zeit."

Der ursprünglich als Kameramann ausgebildete Regisseur Dirk Lütter, der bis 2006 an der KHM (Köln) Regie studierte, erzählt in seinem von unafilm (Köln) produzierten Debütfilm "Die Ausbildung" von den Strukturen, die sich bei der Arbeit in einer Firma herausbilden und wie diese ins persönliche Leben eingreifen. Der Auszubildende Jan (Joseph Bundschuh) sieht sich mit Möglichkeiten konfrontiert, die am Ende keine sind und fällt, in der Hoffnung das Richtige zu tun, falsche Entscheidungen.

Ähnlich wie Dirk Lütter betreten die beiden Regisseurinnen Annekatrin Hendel und Ziska Riemann mit ihren Filmen eine ihnen sehr vertraute Welt, öffnen sich aber, was das Handwerk betrifft, einer neuen, unbekannten. Annekatrin Hendel produziert mit ihrer Firma IT WORKS! Medien bereits seit einigen Jahren erfolgreich Filme und legt jetzt mit dem Dokumentarfilm "Vaterlandsverräter" ihre erste lange Regiearbeit vor. Hinter den Geschichten des 75-jährigen mecklenburgischen Schriftstellers Paul Gratzik, Informant der Stasi und späterer Aussteiger, offenbart sie uns einen Menschen, wie er widersprüchlicher nicht sein kann: Man hasst ihn und gleichzeitig ist man sehr gerührt.

In "Lollipop Monster" verwandelt die Künstlerin Ziska Riemann ihre Kunst des Comiczeichnens in ein filmisch buntes Teenage-Pop-Drama mit Genre-Anklängen. Emotional, laut und schräg greifen die Filmbilder den Stil ihrer Zeichnungen auf und geben der Geschichte um die beiden Mädchen Ariane (Jella Haase) und Oona (Sarah Horvath) den entsprechenden Look. Das Drehbuch schrieb Ziska Riemann gemeinsam mit ihrer alten Schulfreundin Luci van Org ("Weil ich ein Mädchen bin"), die mit ihrer Musik bewiesen hat, dass sie sich mit Teenager-Alarm sehr gut auskennt.

Im Hochschul-Programm der mittellangen Spielfilme will jede/r der ProtagonistInnen frei sein und kämpft doch mit der Sehnsucht nach einem Zuhause. Anlässlich der 200-jährigen Unabhängigkeit lateinamerikanischer Staaten drehte die Regisseurin Josephine Frydetzki (HFF Konrad Wolf, Potsdam Babelsberg) in Buenos Aires und erzählt in "Dígame – Sag mir" von diesem Unabhängigkeitstag im Leben Estebans (Rafael Spregelburd), stellvertretend für den Freiheitsgedanken ganz Argentiniens. Der junge Bosnier Amir (Arnel Taci) hat in "Eisblumen" (R: Susan Gordanshekan, HFF München) keine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland und arbeitet schwarz als Pfleger für die demenzkranke Frau Osterloh (Renate Grosser). Seine ganze Familie ist in Bosnien, er fühlt sich allein und sehnt sich nach einem Gespräch mit seiner Mutter.

In "weisst du eigentlich dass ganz viele blumen blühen im park" von Lothar Herzog (dffb) wollte Lena (Odine Johne) mit ihrem Freund Mario (Christian Blümel) zusammenleben. Dafür zog sie zu ihm in die ostdeutsche Kleinstadt Brandenburg, ist dort jetzt aber meistens allein, weil Mario auf Montage in Berlin ist. Nun sehnt sie sich nach etwas anderem...

Bisher wurden folgende Filme ausgewählt:

"Dígame - Sag mir" von Josephine Frydetzki
"Die Ausbildung" von Dirk Lütter
"Eisblumen" von Susan Gordanshekan
"Lollipop Monster" von Ziska Riemann
"Vaterlandsverräter" von Annekatrin Hendel (Dokumentarfilm)
"weisst du eigentlich dass ganz viele blumen blühen im park" von Lothar Herzog

Die Programmauswahl für Perspektive Deutsches Kino wird Mitte Januar abgeschlossen.

Quelle:
www.berlinale.de