Die seltsamen Abenteuer des Herrn Fridolin B.

Die seltsamen Abenteuer des Herrn Fridolin B.

Deutschland (Ost) 1947/1948, Spielfilm

Herr Fridolin B.


Fred Gehler, Filmblatt, 1978


Eine seltsame Entstehungsgeschichte hat "Fridolin B." sicher. Wolfgang Staudte drehte ihn schon einmal 1944 (es war seine dritte lange Arbeit für die Tobis) – mit Axel von Ambesser, Hubert von Meyerinck, Aribert Wäscher und Paul Henckels, aber auch mit Gretl Schörg (als "Madame Marten"), Elisabeth Flickenschildt, Hans Hermann-Schaufuß (als Standesbeamter). Staudte stellte ihn auch fertig, aber dann wurde der Film verboten. Spätestens die Zensur fand eine – wie immer geartete – Satire auf Bürokratie und kräftig galoppierende Amtsschimmel nicht unbedingt hilf- und sinnreich für das Jahr 1944 und die sich schon abzeichnende Endzeit der Naziämter. Der komplette Film hat das Jahr 1945 nicht überlebt, er ging zu erheblichen Teilen verloren. 1947 ging Staudte an eine Neufassung. Über die Gründe kann orakelt werden. Fraglich, ob Impulse angesichts aktueller bürokratischer Nöte in der unmittelbaren Nachkriegszeit vorhanden. Immerhin erklärte Staudte 1947, die Handlung sei "mit Bedacht in das neutrale Land "Bürokratien" verlegt". Vielleicht war es auch nur eine unglückliche Liebe zu seinem gebeutelten satirischen Kind. Jahre später ist eine Zuneigung allerdings nicht mehr erkennbar. Staudte 1963 in einem Interview: "Ich habe einen Film gemacht, der vollkommen danebengegangen ist, weil ich eine Geschichte in einer bestimmten Form, einem bestimmten Stil begonnen habe, sie sich jedoch nicht auf diese Weise zu Ende erzählen ließ, so daß ich den Stil wechseln mußte: das war der Film "Fridolin B." … Beim Schreiben ist es mir schon klar geworden; zwar fing der Film so attraktiv an, aber es reichte nicht bis zum Ende, ich mußte den Stil wechseln, und der Film ist einfach daran gescheitert." Lakonischer eine andere Auskunft: "Das Material wurde in Babelsberg dann von den DEFA-Leuten gefunden, wir haben einige Szenen neu gedreht. Ich weiß darüber nicht mehr sehr viel, denn ich habe das als eine handwerkliche Fertigstellung empfunden. Damals bin ich ziemlich schnell an die Entwicklung des Stoffes zu "Rotation" gegangen…". Also doch eher ein Wechselbalg, ein nicht sehr erhebliches Zwischenspiel zwischen 2 wesentlichen Filmen? Ja und Nein. Ja – denn wer würde schon ernsthaft Staudtes Marginalien widersprechen wollen. Nein – weil "Fridolin B." sowohl eine amüsante Ergänzung gewichtigerer Arbeiten ist, als auch unverkennbare Eigenheiten Staudtescher Stilistik und seiner Erzählweisen enthält. (…)


Ein dominierender Eindruck ist allerdings schwerlich zu korrigieren: die zu allgemein satirische Pointierung, die kaum geschlagenen Brücken zum Tage, die Enthaltsamkeit gegenüber aktuellen Fragen. Brisanz liegt nicht in der Luft (diese Grundschwäche teilt Staudtes Film bezeichnenderweise auch mit anderen in diesen Jahren entstandenen kabarettistisch getönten Lustspielen, so Helmut Käutners "Der Apfel ist ab" und Heinz Hilperts "Der Herr vom anderen Stern").

Die Filmkritik 1948 akzentuierte ihre Vorwürfe logischerweise an diesem "unverbindlichen Schildbürgermärchenland", an diesem "luftleeren Raum der Groteske". Charakteristisch dafür etwa der Text Hans Ulrich Eylaus in der "Täglichen Rundschau" (12.3.48): … Wolfgang Staudtes Husarenritt findet im falschen Gelände statt: Was er erobert, ist bestenfalls das nebelhafte Terrain feuilletonistischen Witzes, aber weder die blühende Landschaft wärmenden Humors noch der blutige Kampfplatz der vernichtenden Satire". Eylau sah aber auch, was andere Kritiker völlig übersahen: "Fridolin B." war für ihn technisch seit Kriegsende der gekonnteste Film", der ein deutsches Atelier verließ.