Drei Chinesen mit dem Kontrabaß

Drei Chinesen mit dem Kontrabaß

Deutschland 1998/1999, Spielfilm

Drei Chinesen mit dem Kontrabass


Kai Mihm, epd Film, Nr. 03, 2000

"Spaceballs" sind eine wilde Mischung aus diversen Partydrogen – mit durchschlagender Wirkung: Am nächsten Morgen weiß man garantiert nicht mehr, was man letzte Nacht mit wem getrieben hat. Von der verheerenden Wirkung der Dinger kann der junge, aufstrebende Architekt Paul (Boris Aljinovic) ein Lied singen, denn als er am Morgen nach der Party nichts ahnend in sein Wohnzimmer torkelt, liegt dort seine Freundin Gabi vor der Anrichte - tot.

Nun glaubt Paul, er habe die zickige Gabi im Delirium umgebracht. Wir Zuschauer wissen es freilich besser: Während Paul sich den Kopf zudröhnte, ließ Gabi sich von Heribert (Ilja Richter), ihrem Chef und Liebhaber, berauschen und dabei kam es gewissermaßen zu einem tödlichen Stellungswechsel - eine der witzigsten Szenen des Films. Von diesem Unfall ahnt Paul natürlich nichts, doch sein Schock über den vermeintlichen Mord weicht ohnehin sehr schnell kühler Rationalität und der Angst um die eigene Zukunft. Also beschließt er, die Polizei nicht zu verständigen, sondern die Tote verschwinden zu lassen. Schließlich wollte er sich sowieso von Gabi trennen. Mit seinem besten Freund, dem Arzt Max (Jürgen Tarrach), steht er nun vor der Frage, wie man eine Leiche unauffällig und ohne Rückstände entsorgt.

Diese klassische Grundsituation ist in diversen Variationen bekannt aus Filmen wie "Immer Ärger mit Harry", "Immer Ärger mit Bernie" oder dem schönen Louis-de-Funès-Film "Jo". Auch die heiklen Situationen, mit denen Paul und Max zu unserem Vergnügen fertig werden müssen, sind nicht eben neu: immer wieder die Gefahr, beim Zersägen der Leiche entdeckt zu werden, und natürlich die unvermeidlichen Momente, in denen die zwei jemandem vorspielen müssen, die Tote sei noch am Leben.

Wenn man nun trotzdem seinen Spaß hat an den abgenutzten Verwicklungen, in die das Duo gerät, liegt das an kleinen Details in der Charakterisierung der Figuren und im Verlauf der Geschichte, mit denen Regisseur Klaus Krämer uns überrascht: Der Verzicht auf eine Liebesgeschichte etwa, die sich beständig ankündigt und dann einfach übergangen wird, ist eine angenehme Abweichung von der Komödien-Regel. Stattdessen wird die schöne Männerfreundschaft zwischen Paul und Max in den Vordergrund gestellt, wenn man so will, ist sie sogar das eigentliche Thema des Films. Und Jürgen Tarrach (ohnehin einer der besten Darsteller des aktuellen deutschen Kinos) und Boris Aljinovic sind wirklich ein köstliches Gespann: große Kinder alle beide, hoffnungslos unbeholfen, linkisch und doch clever genug, um sich aus jeder Gefahr hinaus zu manövrieren. Besser ist nur noch Edgar Selge als verbissener Öko-Spießer, der den beiden unentwegt hinterher spioniert: Seine kurzen Auftritte sind die komödiantischen Höhepunkte des Films.

Die Idee zu "Drei Chinesen mit dem Kontrabass" wurde von Krämer noch während seiner Studienzeit an der Berliner Filmhochschule konzipiert - und möglicherweise wäre sie im Kurzfilmformat, als Übungsfilm etwa, besser aufgehoben. So rettet ein exzellent aufgelegtes, von Kinodebütant Krämer bemerkenswert geführtes Darstellerensemble über die Schwächen der auf 85 Minuten gestreckten Geschichte hinweg. Und überhaupt ist eine deutsche Komödie, die einmal nicht nervt, eine Leistung, die man eigentlich gar nicht hoch genug einschätzen kann.

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