Sturm und Drang

Sturm und Drang

Deutschland 1921/1922, Spielfilm

Fridericus Rex


Hans Neumann, Lichtbild-Bühne, Nr. 43, 22.10.1921


(...) Gelegentlich meiner amerikanischen Studienreise im Januar d. J. versuchte ich festzustellen, was die amerikanische Filmwelt von Deutschland erwartet. Die ersten Antworten waren die gewöhnlichen: große Ausstattungsfilme – Massenfilme mit großen Bauten – Kostümfilme – kurz "teure Filme", die ihr auf Grund eurer billigen Valuta leichter herstellen könnt wie wir.

Als ich dann der Sache auf den Grund ging und mit erfahrenen, alten amerikanischen Filmmännern dieses Thema bis ins letzte erörterte, stellte sich als Quintessenz heraus, daß es "eigentlich ganz nett" wäre, wenn einmal ein Film deutscher Provenienz zur Abwechslung nicht englische, französische oder sonst ausländische Geschichte behandelte, sondern sich sein Thema aus der immerhin nicht ganz uninteressanten Vergangenheit Deutschlands suchen würde.

Nach vielem Hin- und Herdiskutieren und vielen verschiedenartigen Vorschlägen von mir einigten wir uns auf Friedrich dem Großen. Man sagte mir, daß diese weltgeschichtliche Persönlichkeit dem Tageslärm und der Parteipolitik längst entrückt wäre, und daß Friedrichs Schicksal so romanhaft wäre, daß es eigentlich der geborene Filmstoff sei und daß ferner Friedrich durch seine tatkräftige Unterstützung Amerikas in den Freiheitskriegen drüben eine überaus populäre Persönlichkeit sei. – Als ich mit Freude dann Walter von Molos prachtvolles Buch "Fridericus Rex" zu lesen gab, schlug die Begeisterung hohe Flammen.

Ich kam dann nach Deutschland zurück und nahm mit meinem Freunde Arzen von Cserépy intensiv die Vorarbeiten zur Herstellung einer "Fridericus Rex"-Trilogie auf.

In Deutschland war die Stimmung zunächst geteilter. "Was werden die Sozialdemokraten sagen?" – "Was werden die Rechtsparteien sagen, wenn ihr den Film naturalistisch macht?" – Kurz und gut, die Amerikaner standen der Herstellung des "Fridericus Rex"-Filmes zunächst bedeutend sympathischer gegenüber als unsere Landsleute.

Wir ließen uns jedoch hiervon nicht abschrecken und begannen die Arbeit an unseren "Fridericus Rex"-Filmen. – Bis zur Revolution war es unmöglich, eine Episode aus der Vergangenheit der Hohenzollern wahrheitsgetreu darzustellen. Jedes Theaterstück, in welchem der große König oder sonst ein Hohenzoller auftrat, wurde, wenn es keine absolute Verhimmelung der betreffenden Person darstellte, von der Zensur sofort unterdrückt und wenn man gar, wie wir es tun, das Schicksal des "Alten Fritz" naturalistisch im Film gezeigt hätte – seine harte Jugend unter der Fuchtel des strengen Soldatenkönigs – die Katte-Episode – sein späteres Leben – sein Spielerschicksal mit dem ewigen Auf und Nieder in seinen Kriegen – auf der anderen Seite auch seine Genialität – sein Draufgängertum und seine Menschlichkeit, die sich verflucht wenig hinter der Titular "König" versteckte, sondern nur aus der Kraft ihrer Persönlichkeit das Recht zur Führung eines Volkes herleitete, in den Mittelpunkt des Films gestellt hätten, so hätten wir wahrscheinlich lange Jahre hindurch – wegen Majestätsbeleidigung – Zeit gehabt, hinter den schwedischen Gardinen neue Filmstoffe auszudenken. (...)

Die "Fridericus Rex"-Filme werden das Schicksal eines genialen Menschen zeigen, der seiner Zeit in vieler Beziehung voraus war und unter dessen Führung ein kleines Volk – allerdings unter ungeheuerlichen Opfern – sich zur Großmacht emporrang. Wenn ich Ihnen nun schließlich noch verrate, daß der dritte Teil der "Fridericus Rex"-Trilogie – dessen Hauptinhalt die "Schlacht von Leuthen" ist – ein glühendes Fanal gegen den Völker und Länder verheerenden Krieg bedeuten wird, so habe ich, glaube ich, alles gesagt, was zur Klarstellung unseres Standpunktes dienen kann.

Wir behaupten; in unserer Propaganda nicht, daß wir den größten Film der Welt machen, wir behaupten auch nicht, daß wir den besten Film machen, aber eines können wir behaupten – der Inhalt unseres Films wird in jeder Beziehung wahrheitsgetreu sein und bei jedem Zuschauer, ganz gleich welcher Nation er angehört, das lebhafteste Interesse und die lebhafteste Anteilnahme an dem Schicksal dieses abenteuerlichen Königs auslösen.