Das fidele Gefängnis

Das fidele Gefängnis

Deutschland 1917, Spielfilm

Ein fideles Gefängnis – Der Raub der Sabinerinnen


Geka, Der Film, Nr. 46, 16.11.1919


Zwei Bühnenschlager, die man verfilmte, die man in wortlose Bilder zerschnitt, ohne sich klar genug zu sein, daß Bühnenerfolge sehr oft, meistens sogar, auf Wort und Ton bauen. Man hat die "Fledermaus" in ein "Fideles Gefängnis" (Union-Film) verfilmt, und vergessen, daß Straußsche Weisen, und seien sie die besten, sich nicht filmen lassen. So bleibt nur ein nettes Lustspielchen übrig, zu dem man – das könnte ein bloßer Zufall sein! – Operettenmusik als Begleitung gibt. Die Hauptwirkungen, die kapriziöse Mischung von Spiel und musikalischer Mimik, bleiben aus, und über eine gewisse Armut der Handlung vermögen auch Liedtke, Jannings und Kitty Dewall nicht ganz hinwegzutäuschen.

Ganz ähnlich liegen die Dinge bei dem zweiten: "Der Raub der Sabinerinnen" (B.-B.-Film). Ein entsächselter Striese ist kein Striese mehr, und ohne seine pathetische Schnoddrigkeit wird dieser Schmierendirektor eine nicht allzu farbige Filmfigur. In diesem Bühnenstück hat man wenigstens den fehlenden Dialog durch eine Verbreiterung der Handlung zu ersetzen versucht – dadurch ist der Film weder spannender, noch lustiger geworden. Aber Richard Alexander ist als Darsteller zu geschickt, um Langeweile auf gefährliche Dauer aufkommen zu lassen. So fühlten sich die Zuschauer des UT. Friedrichstraße recht angenehm belustigt, wozu sicher die recht gut und bunt gestellten Schmierenbilder beitrugen. Das Tempo in beiden Filmen ist flott, und hilft eine frohe Stimmung von Anfang bis Ende durchzuhalten. Es fehlen die scharfen Pointen, die Lachsalven; aber es bleibt ein wohliges Lächeln. Und das ist vielleicht des Erfolges genug.