Metropolis

Metropolis

Deutschland 1925/1926, Spielfilm

Der Film "Metropolis"


Max Feige, Der Film, Nr. 1, 15.1.1927

Unter ungeheurer Spannung fand die Welturaufführung dieses Films statt, von dem man bereits soviel gehört hatte. "Metropolis" ist ein Film der Technik, und bei seinem Siegeszug durch die Welt wird er höchstwahrscheinlich als ein Sieg der deutschen Technik gefeiert werden. Die ungeheuren Bauten der Sonnenstadt, die aufragend in Wettbewerb mit dem Turm von Babel treten, stehen im krassen Widerspruch zu den Tiefen, in denen die Arbeiterbevölkerung wohnen muß. Das pulsierende Leben in Metropolis mit Luft-Omnibus, Autos und allen anderen Hilfsmitteln der modernen Verkehrstechnik läßt beinahe die heutigen amerikanischen Verkehrsverhältnisse als Kleinstadtleben erscheinen. Otto Hunte, Erich Kettelhut und Karl Vollbrecht haben in ihren Modellen Meisterwerke der Architektonik geschaffen, aber nicht nur hier, auch in den Maschinenräumen herrscht diese kunstvolle Form des Ausdrucks vor. Hier haben die Photographen unter der Oberleitung von Karl Freund und unter der Assistenz von Günther Rittau sich hervorragend in den Geist der Handlung hineinversetzt, vornehmlich in der Szene, in der die Maschine als moderner Moloch geschildert wird, der die an ihr schaffenden Arbeitermassen verschlingt. Die Überblendungsszenen, welche diese Schrecken zum Ausdruck brachten, waren von stärkster Eindringlichkeit.

Nach der Idee und dem Manuskript von Thea von Harbou leben in dieser utopischen Stadt Metropolis Menschen, die wie diejenigen unserer Zeit empfinden, leiden und sich freuen. Der Metropolisbewohner ist im Yoshiwara ebenso den Verführungen der Großstadt ausgesetzt wie beispielsweise der Provinzler im Palais de danse. Dieses ganze Metropolis ist ähnlich geschildert wie in dem bekannten ”Rückblick aus dem Jahre 2000” von Bellamy oder in einigen Romanen von Jules Verne. Dadurch werden aber in diesem Film soziale Differenzen aufgedeckt, die in Wahrheit bereits überwunden sind: denn das hier geschilderte soziale Problem entspringt der Arbeitermentalität der achtziger Jahre. Die Verfasserin hat wahrscheinlich an der Demokratisierung unseres Zeitalters vorbeigesehen. So stark die heutigen sozialen Kämpfe auch sind, sie weisen doch nicht so starke Spannungen auf, wie sie in Metropolis geschildert werden. Die soziale Bewegung hat heute Übergänge zwischen den vollständig ausgebeuteten Arbeitern und den rein genießenden Unternehmen geschaffen. Wenn auch die Handlung als dichterische Freiheit respektiert werden muß, so muß doch zugegeben werden, daß der personifizierte Mittler (Gustav Froehlich) nicht ausreicht, um die spätere Versöhnung zwischen Hirn und Hand nach der starken Spannung zu erklären. (...)

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Quelle: FFA

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