High Crusade - Frikassee im Weltraum

High Crusade - Frikassee im Weltraum

Deutschland 1993/1994, Spielfilm

High Crusade - Frikassee im Weltraum


Rolf-Ruediger Hamacher, film-dienst, Nr. 13, 21.06.1994

Roland Emmerich, der 1983 mit seinem Science-Fiction-Film „Das Arche-Noah-Prinzip“ (fd 24 437) Furore und mittlerweile in Hollywood Karriere gemacht hat („Universal Soldier“, fd 29 906), möchte als Produzent jungen deutschen Regisseuren eine Chance geben. Ein löbliches Unterfangen, doch der gute Wille allein reicht nicht. Die Jung-Regisseure Klaus Knoesel (geb. 1964) und Holger Neuhäuser (geb. 1965), Absolventen der Münchener Filmhochschule, haben sich seit 1989 mit satirisch angelegten Kurzfilmen einen Namen gemacht, in denen sie besonders ihre Begabung für „special effects“ demonstrierten. Aber nun, da es darum geht, eine abendfüllende Geschichte zu erzählen, erweist sich das Projekt noch als eine Nummer zu groß für sie.

Man schreibt das Jahr 1345. In Europa machen sich die Kreuzritter bereit, Jerusalem von den Ungläubigen zu befreien. Zu ihnen gehört auch Sir Roger aus England, der in der Reise einen willkommenen Grund sieht, sich vor der Hochzeit mit Lady Catherine zu drücken. Sie aber besteht auf der Trauung und Mitreise ins gelobte Land. Und da ihr Angetrauter noch „Jungfrau“ ist, läßt sie ihm einen Keuschheitsgürtel schmieden, damit er in den Kriegswirren nicht in Versuchung gerät. Aber just in dem Moment, als man sich auf den Weg machen will, landet ein Raumschiff mit Außerirdischen vor den Toren der Burg. Die Wersgorix wollen den neuen Planeten zwecks späterer Eroberung ausspähen, doch trotz modernster Waffen werden sie von den Rittern bis auf den zwergenwüchsigen Branithar niedergemacht. Er wird unter Androhung von Folter dazu „überredet“, die Ritter nach Jerusalem zu fliegen. Aber Branithar programmiert das Raumschiff Richtung Weltall, und so landen sie schließlich auf einem außerirdischen Vorposten der Wersgorix. Aber auch dort können sie sich mit List und Tücke der Außerirdischen erwehren – bis es den Aliens gelingt, Sir Roger zu „klonen“. In letzter Sekunde taucht der totgeglaubte „richtige“ Sir Roger wieder auf. Sein Alter Ego ergreift mit Lady Catherine als Geisel die Flucht. Nur im Tausch gegen Branithar, der sich mittlerweile in den sauffreudigen Red John verliebt hat, wollen die Außerirdischen Lady Catherine wieder herausrücken. Dieses „Geschäft“ würde aber die Außerirdischen bevorteilen. Und so greifen die Rittersleut zu einer letzten Finte.

Die Crux ist, daß das ganze Geld in die für eine deutsche Produktion beachtliche Ausstattung geflossen ist. Da blieb für die „geistige“ Aufarbeitung des Stoffes kaum noch etwas übrig. Zu Beginn, als der MTV-Moderator Ray Cokes in einem Cameo-Auftritt als einbeiniger Bote aus Jerusalem eintrifft, wähnt man sich noch in einem „Monty-Python-Film für Arme“, ehe der Film dann noch tiefer in den längst überlebt geglaubten Humor deutscher Lustspielseligkeit abgleitet. Die allzu breit ausgewalzte Idee mit dem Keuschheitsgürtel und dem „französischen“ Eheberater Sir Rogers, der es selbst auf Lady Catherine abgesehen hat, sind genausowenig lustig, wie der Einfall mit den masochistischen Folterknechten makabren Humor aufweist. Und den Gag mit den Außerirdischen, die Geschlechtsverkehr durch Fingerkuppen-Berührung ausüben, hat man sich schon vor Jahrzehnten als pubertierender Sechsklässler erzählt. Da nützt es auch nicht viel, daß angelsächsische Schauspieler-Profis diesen Nonsens spielen und sprechen. Die Regisseure haben nur Augen für die Technik, lassen die Schauspieler im Stich und stürzen den Zuschauer in gähnende Langeweile. Das ist das Schlimmste, das man über einen Genre-Film sagen kann.