Katharina die Große

Katharina die Große

Deutschland 1920, Spielfilm

Katharina die Große


M. M. (= Margot Meyer), Der Film, Nr. 36, 4.9.1920


Es bestanden mehrere Möglichkeiten für die Verfilmung des Lebens dieser berühmten Frau. Man konnte eine photographierte Biographie aus dem Konversationslexikon bringen, den historisch echten, ansteigenden Weg der deutschen Prinzessin bis zur mächtigen Zarin zeigen, bei dieser Gelegenheit mode- und konjunkturgemäß in Prunk und Pracht schwelgen und das Gefühl einer großen Tat haben. Man konnte Katharina aber auch filmliterarisch erstehen lassen als Leben und Tod spendende Heldin eines fein aufgebauten, sich stark steigernden Dramas, spielend mit allen Möglichkeiten zur Prachtentfaltung und zur Ausnutzung weichmelancholischer russischer Landschaftsstimmung, stets aber Menschlichkeit über Milieu, seelisches Erleben über die Äußerlichkeit stellend – und dann das Gefühl einer künstlerischen Tat haben.

Schünzel, Lüthge und Behrendt (die Verfasser-G.m b.H.) nahmen als Grundlage die Biographie und versuchten sie durch leichte Ironie und flüssigen Stil (gut sitzende, erfrischend kurze Titel) über sich selbst hinauszuheben. Es gelang teilweise überraschend gut, teilweise garnicht. Es sind Szenen in dem Film, die in ihrer straffen, knappen Kürze, ihrer sprechenden Bildhaftigkeit starke gedankliche Zusammenhänge offenbaren; und es sind andere darin, die in mattem Tempo ausführlich erzählen, sehr schön und bildreich erzählen, aber eben erzählen. Es kann bei der Grundlage des Manuskriptes ja garnicht anders sein, denn die sieben Akte enthalten Katharinas Leben von der Hochzeit an bis zu ihrem Tode. Eine schöne, anschauliche Biographie mit liebevollem Eingehen auf die bekannten großen Momente im Leben dieser starken Frau.

Seine äußere Aufmachung ist sehr geschmackvoll und sehr reich. Schünzels Regie ist eine große, starke Leistung, die anerkannt werden muß. Vom vierten Akt, der mit sehr geschickt auf Silhouettenwirkung eingestellten Bildern beginnt, an hebt sich das Tempo. Die Massenszenen setzen ein. Schünzel verzichtet auf Ausschnitte, gibt vorwiegend die vom gleichen, instinktiven Wollen beseelte Masse und erzielt gute Wirkungen. Auch der Anfang des siebenten Aktes ist famos; die Aktschlüsse versagen dagegen zuweilen.

Die Darstellung sah sich vor schwere, aber verlockende Aufgaben gestellt, denen sie nicht immer gerecht werden konnte. Lucie Höflich ist die Zarin, aber nicht die junge Großfürstin. Was sie dieser schuldig bleibt, schuldig bleiben muß, gibt sie jener in reichstem Maße. Sie hat grobe Momente, z.B. die erste Begegnung mit dem jungen Wachoffizer, das langsam erwachende Interesse, das tastende Taxieren in den Augen, die aufglimmende Leidenschaft in ihrem Lächeln. Als Greisin flaut sie wieder ab. Neben ihr steht Schünzel als Zar Peter, prachtvoll in der Beherrschung von Geste und Mienenspiel, Tier im schrankenlosen Genuß, Kind im törichten Spiel und mit den feinsten Mitteln der Darstellungskunst die Brücke bauend von einem zum andern. Mitleid erweckend, ohne es darauf anzulegen. (...)

Die Aufnahme in Hamburg war günstig. Der Film erzwang sich lebhaften Beifall.