Halbe Treppe

Halbe Treppe

Deutschland 2001/2002, Spielfilm

filmportal.de TV-Tipp zu "Halbe Treppe"

Anässlich der Ausstrahlung auf ARTE, 2006

Die Story ist einfach, nicht wirklich neu und ziemlich alltäglich:
Zwei Paare in Frankfurt an der Oder führen ganz normale Leben. Imbissbudenbesitzer Uwe und Parfümverkäuferin Ellen sind befreundet mit Radiomoderator Chris und seiner Frau Katrin, die an der polnischen Grenze LKWs einwinkt. Gelegentlich trifft man sich, schaut gemeinsam Urlaubsdias und trinkt sich dabei einen an. Ansonsten kümmert man sich um den Job, wohnt in seinem Plattenbau und fügt sich in die Verhältnisse. Es scheint, als haben die vier längst resigniert. Doch die untergründig schwelende Sehnsucht nach irgendetwas neuem, anderem führt zum Eklat. Ellen und Chris beginnen hinter dem Rücken ihrer Partner eine Affäre, fast beiläufig, doch mit massiven Folgen. Die so lange nicht angetastete Ordnung gerät aus den Fugen, das gewohnte Leben löst sich auf.

Regisseur Andreas Dresen zeichnet in "Halbe Treppe" ein Bild von deutschen Lebens- wie Liebesverhältnissen, das weder das Tragische noch das Absurd-Komische ausblendet. Mit einfachen, rohen filmischen Mitteln, digitaler Handkamera und harten Schnitten erzählt er eine Geschichte, die trotz oder gerade wegen ihrer Alltäglichkeit den Zuschauer in den Bann zieht.

Gemeinsam mit den vier großartigen Hauptdarstellern Axel Prahl (Uwe), Steffi Kühnert (Ellen), Thorsten Merten (Chris) und Gabriela Maria Schmeide (Katrin) entwickelte Dresen aus einer zunächst lockeren Grundkonstellation – ein Drehbuch gab es nicht – in langen Gesprächen und Improvisationen die einzelnen Szenen. Das aus den Charakteren und dem Augenblick heraus Gewachsene spürt der Zuschauer im besten Sinne. Im Abspann erscheinen folgerichtig die Namen der Darsteller als Autoren.

Oft wurde das "Authentische" an diesem mit vielen Preisen überhäuften Film beschworen oder auch bezweifelt. Und "Authentizität" ist selbstverständlich ein höchst problematischer Begriff. Doch "Halbe Treppe" entfaltet mit seiner Direktheit und Beiläufigkeit einen Charme, dass man gerne vergisst, dass dies alles nur ein trauriges, schönes Spiel ist.