Der Golem, wie er in die Welt kam

Der Golem, wie er in die Welt kam

Deutschland 1920, Spielfilm

filmportal.de TV-Tipp zu "Der Golem, wie er in die Welt kam"

Anässlich der Ausstrahlung auf ARTE, 2009

"Der Golem, wie er in die Welt kam" greift die alte jüdische Legende von der magisch belebten Kreatur auf. Um sein Volk vor der Ausweisung aus dem Prager Ghetto zu bewahren, schafft der Rabbi Löw einen menschenähnlichen Koloss und haucht diesem auf wundersame Weise Leben ein. Doch das Geschöpf, als Retter gedacht, wird in den falschen Händen zum Fluch.

Es beginnt mit einem Edikt des Kaisers, der die Juden der mittelalterlichen Stadt Prag verweist. Um dies zu verhindern, erschafft der hohe Rabbi Löw den Golem, der, einer alten Weissagung zufolge, Rettung verheißen soll. Auf einem Fest am Hofe des Kaisers wird diese Prophezeiung Wirklichkeit, denn als es bei einer magischen Darbietung zu einem Deckeneinsturz kommt, vermag der Golem das Leben des Herrschers zu retten, woraufhin dieser seinen Befehl gegenüber der jüdischen Gemeinde wiederruft. Doch das heilsbringende Kunstgeschöpf verwandelt sich in einen unaufhaltsamen Schrecken, als es von Löws Famulus dazu missbraucht wird, einen Rivalen um das Herz der Tochter des Rabbis zu bekämpfen. Der Golem gerät außer Kontrolle und droht, die ganze Stadt zu zerstören.

Paul Wegeners im Jahre 1920 inszenierter "Golem" zählt völlig zurecht zu den großen Klassikern des deutschen Stummfilms. Die zeitgenössische Kritik feierte ihn als Markstein, als herausragenden Kunstfilm, in dem sich Schauspiel, Architektur, Bildgestaltung und Inszenierung vortrefflich verbinden. Und auch heute noch entfalten die kunstvollen Bauten Hans Poelzigs ihre ganz eigene Wirkung, zielen sie doch nicht darauf ab, ein reales Prag abzubilden, sondern beschwören in ihrer malerisch-verwinkelten Enge vielmehr eine von Mystik durchflossene Welt. Gemeinsam mit der Kameraführung Karl Freunds und den symbolträchtigen Bildern, die Wegener ersonnen hat, bilden sie die atmosphärische Kulisse, in welcher die schaurige Gestalt des Golem glaubhaft zu entstehen vermag. Dieser Golem, von Wegener selbst mit scheinbar plumpem, im Detail aber höchst differenziertem Körperspiel dargestellt, wird im Laufe der Handlung zum Sinnbild der archaischen Kräfte, die der Mensch - im Glauben, sie beherrschen zu können, - heraufbeschwört, nur um voller Schrecken seinen Irrtum zu erkennen, wenn jene erst einmal ihre ganze zerstörerische Macht entfesseln.

"Der Golem, wie er in die Welt kam" ist ein eindrucksvolles Beispiel sowohl des phantastischen Films der Weimarer Republik, als auch der frühen deutschen Filmkunst überhaupt.

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