Der Golem, wie er in die Welt kam

Der Golem, wie er in die Welt kam

Deutschland 1920, Spielfilm

Der Golem, wie er in die Welt kam



Aros (= Alfred Rosenthal), Berliner Lokal-Anzeiger, 31.10.1920, zit. nach Film und Presse, Nr. 17, 6.11.1920


Im Kampf um die künstlerische Weiterentwicklung des Films ist wieder einmal eine Entscheidung gefallen, die denen Recht gibt, die behaupten, daß der Film aus sich heraus zur künstlerischen Vervollkommnung geführt werden muß. Das literarische Experiment der Verfilmung bedeutender Bühnen- und Buchwerke, hat den kürzeren gezogen. Die alte Sage vom Golem, jenes künstlichen Menschen, den der Wunderrabbi in Prag erdachte und durch ein geheimnisvolles Zeichen, den Schem, belebte, ist der Vorwurf der Handlung. Diese seltsame Gestalt begleitet den hohen Rabbi Löw an des Kaisers Hof, rettet den Fürsten und damit die Prager Judenschaft vor dem Untergang und wird zuletzt durch einen unglückseligen Zufall ein furchtbarer Vernichter und Zerstörer, dessen verderbenbringendem Werk ein kleines, unschuldiges Kind ein Ziel setzt. Hineinverwoben ist eine Liebesgeschichte zwischen der schönen Mirjam und dem Junker Florian; durchstreut sind Zauberkunststückchen und prächtige Illusionen, die die filmtechnischen Möglichkeiten restlos ausnutzen. Das Manuskript zu dem "Golem, wie er in die Welt kam", hat Paul Wegener selbst bearbeitet, und zwar in der Hauptsache wohl deshalb, weil es ihn reizte, den Golem darzustellen, jenen Menschen, der, aus Lehm geformt, lebt, ohne eigentlich Mensch zu sein. Den Gestalter so vieler menschlich tief ergreifender Persönlichkeiten auf der Bühne zog ein Virtuosenstück an. Das Menschliche wird in diesem Film durch den hohen Rabbi Löw und durch das Liebespaar hineingetragen. Für den Prager Kabbalisten, der in jüdischen Sagen lebt, wählte man Albert Steinrück, der, seitdem er sich dem Film verschrieb, immer erneut durch glänzende Leistungen überrascht. Der schönen Mirjam lieh Lyda Salmonowa ihren Liebreiz und ihr Können. Ernst Deutsch als Junker Florian enttäuschte vielleicht hier und da, wobei es offenbleiben muß, ob die Schuld ihn trifft oder den Autorregisseur. Für das Bildliche zeichnet Karl Freund verantwortlich, dessen fein empfindende Arbeit das restlose Gelingen der Zauber- und Beschwörungsszenen zu danken ist. Den äußeren szenischen Rahmen entwarf Prof. Poelzig, der unter Wahrung zeitgenössischer Formen einen phantastischen Hintergrund schuf, der die Stimmung des Films vorbereitete und unterstützte. Es scheint, als wenn hier zwischen expressionistischen Experimenten und streng akademischer Bauart ein neuer Kinostil heranreift. Hans Landsberger, ein junger Tondichter, bescherte eine begleitende Filmmusik, die rein thematisch erdacht ist und scharfe Charakterisierung der Hauptpersonen durch treffende Motive durchführt. Etwas konventionell bewegt sie sich auf achtunggebietender Höhe. Die Uraufführung war ein großer Erfolg. Das Werk selbst bedeutet einen Fortschritt, nicht nur für Deutschland, sondern für den Weltmarkt.

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