Der Scout

Der Scout

DDR / Mongolei 1982/1983, Spielfilm

Der Scout


Günter Agde, Filmspiegel, Berlin/DDR, Nr. 13, 1983

In der derzeitigen unverhofften Karl-May-Welle in Kino, Fernsehen und Buchhandlungen erinnert der neue Indianerfilm der DEFA wohltuend daran, dass wir in unserem Land auf eine Tradition von Indianerfilmen blicken können, die sachlich und effektvoll, mit einer unserer Welthaltung gemäßen sozialen Grundierung und Differenzierung, auf jeden Fall aber nicht mythisierend und nicht um jeden Preis (auch um den Preis des Realismus – wie bei Karl May) veredelnd, Auseinandersetzungen und Kämpfe der nordamerikanischen Indianer mit ihren Kolonisatoren, (und schließlichen Unterdrückern) gestalten. Der (auch internationale) Erfolg der besten dieser Streifen und die Gediegenheit eben des "Scout" markieren eine Solidität und Kontinuität filmischer Arbeit, die weder über- noch unterschätzt werden sollte und die bewahrt und auf andere, uns mögliche Genres ausgedehnt werden muß. Das Wohlwollen des Rezensenten gegenüber diesem beachtlich kräftigen Strang der Babelsberger Produktion soll freilich nicht davon ablenken, daß auch weiterhin, trotz (auch unsachlicher) Schelte und berechtigter Forderungen (ebenfalls eingedenk einer ehrenvollen Tradition!) die hauptsächlichen Erwartungen auf die wirksame, realistische, lebendige Gestaltung von Fragen und Konflikten unseres heutigen Lebens in unserem Land gerichtet sind. Und bleiben.

Nach diesem Vorspruch, der notwendig war von einem; der sich an dieser Stelle besonders mit der DEFA-Produktion der letzten Jahre intensiv, mit lebhafter Anteilnahme und mit dem Willen zu einer produktiven Brücke zum Zuschauer (und Leser dieser Zeitschrift) verbunden, ja verschweißt weiß – nun endlich zu "Der Scout". Der Film erzählt eine lineare, glaubwürdige, wie es scheint historisch belegbare Geschichte. Da stellt sich ein Spurenleser (nichts anderes ist ein Scout; also eine Vor-Form des Kundschafters), der Indianer Weiße Feder (erwartungsgemäß Gojko Mitic und erwartungsgemäß sicher, souverän und sympathisch) in den Dienst US-militärischer Räuber. Mit List und hohem Einsatz gelingt ihm, die von den weißen Militärs geraubte Riesen-Pferde-Herde zu seinem Stamm zurückzuführen. Das ist reich an äußeren und inneren Spannungen, an Aktionen vielfältigster Art, an Verwicklungen, an Rivalitäten der Beteiligten, auch an kleinen Ungereimtheiten erzählt, gespielt und abgefilmt – halt ein Indianerfilm wie so oft gehabt, seriös gestaltet, gediegen gemacht, spannend und unterhaltsam. Sauber in der Sache, solide in der Ausführung. Das Drehbuch stammt noch von dem erfahrenen, leider zu früh verstorbenen Gottfried Kolditz, sein Kollege Konrad Petzold hat es inszeniert, an der Kamera Otto Hanisch und sein mongolischer Kollege Geserdshawijn Masch. Die Darsteller füllen ihre Rollen aus, soweit es ihre Individualität erlaubt und der Text es vorschreibt, also ebenfalls solide und gut. Dabei scheint mir, daß die soziale und charakterliche Differenzierung der Weißen mit Geist . und Herz und zuweilen echtem Witz erfaßt wurde. Auch darstellerisch, was dem Film durchweg bekommt (Klaus Manchen hat daran entscheidenden Anteil). Die Koproduktion der DEFA mit Mongolkino Ulan-Bator ermöglichte eindrucksvolle weiträumige Landschaftsaufnahmen, wie sie zu solcher Art Filme gehören. Auch das Physiognomische in den Massenszenen wurde durch die mongolischen Kollegen achtbar bewältigt, wenn es auch manchen Zuschauer anfangs befremden mochte.

Ein Film, dessen man sich nicht zu schämen braucht, im Gegenteil, der seiner Aussage und Ausführung wegen seinen Wert beim Zuschauer finden und ihm Unterhaltung redlicher Art bieten wird.