Eddie Constantine

Eddie Constantine

Weitere Namen: Edward Constantine (Geburtsname)
Darsteller, Sonstiges
*29.10.1917 Los Angeles, Kalifornien, USA; †25.02.1993 Wiesbaden

Biografie

Eddie Constantine kam am 29. Oktober 1917 in Los Angeles, USA, als Sohn einer polnischen Mutter und eines russischen Vaters unter dem Namen Edward Constantinowsky zur Welt. Nach einem Gesangsstudium am Konservatorium in Wien und in New York, begann er seine Karriere mit mäßigem Erfolg als Sänger bei den MGM Studios. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs folgte er seiner ersten Frau Helene Musil, einer tschechischen Tänzerin, die einen Ruf an das Ballet von Monte Carlo und dann nach Paris erhielt, nach Europa. Er hielt sich zunächst in London auf, dann in Paris, wo er auf Edith Piaf traf, die ihm wiederum den Weg zu einer Karriere als Nachtclub-Sänger ebnete. Zu dieser Zeit veröffentlichte Eddie Constantine auch seine ersten Platten und hatte auch in Deutschland Erfolg mit Hits wie "Schenk deiner Frau doch hin und wieder rote Rosen" und "Jeder macht mal eine Pause".

Seinen ersten kleineren Auftritt im Film hatte er 1952 in "Egypt by Three" (US, Regie: Victor Stoloff). Bei einem seiner erfolgreichen Konzert-Auftritte in Paris, die er unter anderem auch im Moulin Rouge absolvierte, wurde er schließlich von Regisseur Bernard Borderie entdeckt, der ihn als Lemmy Caution besetzte, die Rolle, die seinen Durchbruch begründen und sein Image als "harter Kerl" dauerhaft prägen sollte. Die Darstellung von Lemmy Caution, dem draufgängerischen, gewitzten FBI-Agenten, später Privatdetektiv, mit Hang zum Whisky und zu schönen, vor allem blonden Frauen, Titelheld einer ganzen Reihe von in Frankreich produzierten Filmen, ließ Eddie Constantine zu dem Action-Star der Nachkriegsjahre avancieren.

Dass die Filme mit Titeln wie "La môme vert de gris" ("Im Banne des blonden Satans", 1953), "Cet homme est dangereux" ("Dieser Mann ist gefährlich", 1953) oder "Comment qu'elle est!" ("Eddie geht aufs Ganze", 1960) billig und mit vorhersehbarer Handlung produziert waren, tat ihrem immensen Erfolg beim Publikum keinen Abbruch. Eddie Constantine und Lemmy Caution wurden in den folgenden Jahren nahezu zu Synonymen. In beim Publikum erfolgreichen Filmen wie Werner Klinglers "Hoppla, jetzt kommt Eddie" (1958) oder "Bomben auf Monte Carlo" (1960) spielte er Varianten des markanten Charakters.

Von 1953 bis 1991 trat er immer wieder als Lemmy Caution auf, häufig auch unter der Regie von anderen Regisseuren als Borderie und immer häufiger auch mit abgewandelten Charaktereigenschaften. So wurde die in Klischees gefangene Figur 1964 in Marcel Ophüls' Film "Faites vos jeux, Mesdames" ("Ab heute wieder Niederschläge") und vor allem ein Jahr später in Jean-Luc Godards futuristischem Science-Fiction-Klassiker "Alphaville" (1964), der mit dem Goldenen Bären auf der Berlinale 1965 ausgezeichnet wurde, demontiert. Lemmy Caution ist in "Alphaville" ein älterer, müder Mann, der in seinem Trenchcoat in einer futuristischen Welt verloren scheint. Die Darstellung der Titelfigur, die gleichsam Constantines Wandlung zum Charakterdarsteller markierte, kam bei den eingefleischten Fans, die keinen Zugang zu einem intellektuellen Lemmy Caution fanden, kaum an.

Nach einem kurzzeitigen Einbruch seiner Popularität verlieh die Zusammenarbeit mit Filmemachern des Neuen Deutschen Films ab den 1970er Jahren seiner Karriere neuen Aufschwung. So war Constantine etwa in Fassbinders "Warnung vor einer heiligen Nutte" (1971) in einer Hauptrolle als er selbst, in einer kleineren Nebenrolle in "Welt am Draht" (1973) und 1979 in "Die dritte Generation" zu sehen. Auch in Peter Lilienthals "Malatesta" (1970), in dem er einen italienischen Anarchisten mimte, erwies er sich einmal mehr als Charakterdarsteller. Constantine, der seit Anfang der 1970er Jahre fast ausschließlich in Deutschland arbeitete, u.a. mit namhaften Regisseuren wie Rudolf Thome ("Jane bleibt Jane", 1970 und "Supergirl", 1971), Uli Lommel ("Haytabo", 1970, und "Der zweite Frühling", 1975) und Rosa von Praunheim ("Rote Liebe", 1982), hatte aufgrund seiner Bekanntheit auch immer wieder Cameo-Auftritte, so etwa in Agnès Vardas "Cléo de 5 à 7" ("Cleo - Mittwoch zwischen 5 und 7", 1962) oder in Ulrike Ottingers "Bildnis einer Trinkerin" (1979). In "Freak Orlando" (1981), ebenfalls unter der Regie von Ulrike Ottinger, war er als Säulenheiliger zu sehen.

In den 1980ern und 1990ern setzte er seine Arbeit im Charakterfach auch international fort und spielte u.a. einen alten Gangster in Mika Kauriskmäkis "Helsinki Napoli All Night Long" und 1991 in Lars von Triers "Europa" eine zentrale Nebenrolle an der Seite von Barbara Sukowa und Udo Kier.

Der leichteren Unterhaltung wandte er jedoch nie komplett den Rücken zu und war vor allem in den 1970ern und 1980ern immer wieder in deutschen TV-Produktionen zu sehen, etwa in Gastrollen in Serien wie "Rivalen der Rennbahn" (1989). Beachtung fand zuvor vor allem seine Darstellung eines alten Zirkusclowns in der Fernsehserie "Roncalli" (1986). 1991, gegen Ende seiner Karriere, schlüpfte Eddie Constantine dann ein letztes Mal in die Rolle des Lemmy Caution, diesmal in Jean-Luc Godards Experimentalfilm "Allemagne 90 neuf zéro" ("Deutschland Neu(n) Null").

Eddie Constantine war dreimal verheiratet und lebte ab 1978 bis zu seinem Tod am 25. Februar 1993 mit seiner dritten Frau Maja Faber-Jansen, einer ZDF-Redakteurin, in Wiesbaden.

Filmografie

1993 Three Shake-a-Leg Steps to Heaven
Darsteller
 
1990 Europa
Darsteller
 
1989 Günter und die Stars
Darsteller
 
1988/1989 Europa, abends
Darsteller
 
1987 Helsinki Napoli - All Night Long
Darsteller
 
1986 Na sowas - Extra: The Sixties - die 60er Jahre
Darsteller
 
1984 Seifenblasen
Darsteller
 
1984 Tiger - Frühling in Wien
Darsteller
 
1983/1984 Rambo Zambo
Darsteller
 
1983/1984 Fluchtpunkt Berlin
Darsteller
 
1982/1983 Der Schnüffler
Darsteller
 
1982/1983 Das Mikado-Projekt. In geheimer Mission
Darsteller
 
1982 Mit Musik geht alles besser
Darsteller
 
1981/1982 Fühlt wie du
Darsteller
 
1981/1982 Hausbesuche
Darsteller
 
1981 Freak Orlando
Darsteller
 
1981 Oasis
Darsteller
 
1980/1981 Die Alptraumfrau
Darsteller
 
1980/1981 Zwischen Mond und Sonne
Darsteller
 
1980-1982 Rote Liebe
Darsteller
 
1980 Die Hinrichtung
Darsteller
 
1980 Tango durch Deutschland
Mitwirkung, Beratung
 
1980 Typisch Eddie
Mitwirkung
 
1979/1980 Car-napping: Bestellt - geklaut - geliefert
Darsteller
 
1979/1980 Panische Zeiten
Darsteller
 
1979/1980 Exit... Nur keine Panik
Darsteller
 
1979 Der Idiot im Hintergrund
Darsteller
 
1979 Bildnis einer Trinkerin. Aller jamais retour
Darsteller
 
1979 Eddie und Lutz
Darsteller
 
1978/1979 Die dritte Generation
Darsteller
 
1978/1979 Victor
Darsteller
 
1976 Weyer, Hans Hermann, Konsul
Darsteller
 
1976 Die 1000 Tode des Yvan Chiffre
Darsteller
 
1974/1975 Der zweite Frühling
Darsteller
 
1974 Heiter bis meschugge
Darsteller
 
1973 Welt am Draht
Darsteller
 
1971 Haytabo
Darsteller
 
1970/1971 Warnung vor einer heiligen Nutte
Darsteller
 
1970/1971 Supergirl
Darsteller
 
1970 Eine Rose für Jane
Darsteller
 
1969 Malatesta
Darsteller
 
1963/1964 Die ganze Welt ist himmelblau
Darsteller
 
1959/1960 Bomben auf Monte Carlo
Darsteller
 
1959 Dicke Luft und heiße Liebe
Darsteller
 
1959 Rhapsodie in Blei
Darsteller
 
1958 Hoppla, jetzt kommt Eddie
Darsteller
 
1956 Bonsoir Paris, bonjour l'amour
Darsteller
 

Übersicht

Fotogalerie

Alle Fotos (3)

Literatur

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