Jeanine Meerapfel

Jeanine Meerapfel

Darstellerin, Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent
*14.06.1943 Buenos Aires, Argentinien

Biografie

Jeanine Meerapfel, geboren am 14. Juni 1943 in Buenos Aires, Argentinien, als Tochter deutsch-jüdischer Einwanderer, absolvierte in Buenos Aires die Journalistenschule und arbeitete anschließend als Redakteurin und freie Journalistin. Von 1964 bis 1968 war sie als eine der ersten Frauen am Institut für Filmgestaltung der Ulmer Hochschule für Gestaltung immatrikuliert; dort studierte sie unter anderem bei Alexander Kluge und Edgar Reitz und drehte mehrere TV-Dokumentarfilme. Bis Ende der 1970er Jahre arbeitete sie weiterhin als freie Journalistin. Daneben gab sie Filmseminare an der HfG Ulm sowie an Goethe-Instituten verschiedener Länder.

Ihr Spielfilmdebüt gab Meerapfel mit "Malou" (1980), der bei den Filmfestspielen in Cannes Premiere feierte und dort mit dem FIPRESCI-Preis der Internationalen Filmkritik ausgezeichnet wurde; beim Filmfestival in San Sebastián wurde die Geschichte einer jungen Jüdin, die sich auf eine existentialistische Spurensuche begibt, mit dem Regiepreis ausgezeichnet. 1981 folgte der autobiografische Dokumentarfilm "Im Land meiner Eltern". Ihr nächster Dokumentarfilm "Die Kümmeltürkin geht", über das Schicksal einer türkischen Gastarbeiterin, erhielt bei der Berlinale 1985 den Interfilm-Preis sowie den Preis der deutschen Filmkritik.

Um Migrantenschicksale ging es auch in dem Spielfilm "Die Verliebten" (1987): Darin erzählt Meerapfel eine Geschichte über die Heimatsuche der jungen Gastarbeitergeneration, hin- und hergerissen zwischen dem Land ihrer Eltern und dem Ort der eigenen Kindheit. Parallel dazu arbeitete sie von 1986 bis 1989 an dem preisgekrönten Dokumentarfilm "Desembarcos – Es gibt kein Vergessen", einer Auseinandersetzung mit der Zeit der Militärdiktatur in Argentinien. Auch der Spielfilm "La Amiga" mit Liv Ullmann in der Hauptrolle, befasste sich mit Schicksalen, die von der argentinischen Diktatur geprägt wurden. Der Film wurde unter anderem für den Bundesfilmpreis 1989 nominiert, Liv Ullmann und Cipé Lincovsky wurden in San Sebastián gemeinsam mit dem Darstellerinnen-Preis geehrt.

Seit 1990 ist Jeanine Meerapfel als Professorin im Bereich Film/Fernsehen an der Kunsthochschule für Medien Köln tätig. 1995 schloss sie die Arbeit an dem Spielfilm "Amigomío" ab, der den Saarländischen Drehbuchpreis erhielt. Im Jahr 2000 wurde ihr filmisches Schaffen mit dem Künstlerinnenpreis des Landes Nordrhein-Westfalen gewürdigt. 2001 folgte das Familiendrama "Annas Sommer", mit Angela Molina und Herbert Knaup in den Hauptrollen, das den Spezialpreis beim argentinischen Festival Mar del Plata gewann.

In dem Dokumentarfilm "Fictional lies on right occasions" (2003) porträtierte Jeanine Meerapfel die zwei griechischen Musiker Floros Floridis und Babis Papadopoulos. 2007 entstand der Dokumentarfilm "Mosconi - oder wem gehört die Welt", in dem sie den Überlebenskampf einer von Privatisierung gezeichneten nordargentinischen Stadt schilderte.

2012 startete dann Meerapfels erster Spielfilm seit mehr als zehn Jahren in den Kinos: "Der deutsche Freund" erzählt von der Liebe zwischen einer Tochter jüdischer Emigranten in Buenos Aires und einem Sohn deutscher Einwanderer, dessen Vater bei der SS war.

Filmografie

2011/2012 Der deutsche Freund
Regie, Drehbuch, Produzent
 
2007/2008 Mosconi - Oder wem gehört die Welt
Regie, Drehbuch
 
2000/2001 Annas Sommer
Regie, Drehbuch, Co-Produzent
 
1994/1995 Die Nacht der Regisseure
Mitwirkung
 
1993 Amigomio
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1991 Auf der Suche nach Iberiá
Produzent
 
1989 13 Minuten vor zwölf in Lima
Regie, Drehbuch
 
1987/1988 La Amiga - Die Freundin
Regie, Drehbuch
 
1986/1987 Die Verliebten
Regie, Drehbuch
 
1986-1989 Desembarcos - Es gibt kein Vergessen
Regie, Drehbuch
 
1984/1985 Die Kümmeltürkin geht
Regie
 
1983 Solange es Europa noch gibt. Fragen an den Frieden
Regie
 
1981 Im Land meiner Eltern
Regie, Drehbuch
 
1980/1981 Malou
Regie, Drehbuch
 
1969/1980 Am Ama Am Amazonas
Regie
 
1969/1970 Team Delphin
Regie
 
1969/1970 Zwangsgepanzerte Worte
Regie
 
1969-1970/1997 Zwickel auf Bizyckel
Regie
 
1968 Die Sechsjährigen
Regie
 
1966-1968 Regionalzeitung
Regie, Drehbuch, Schnitt
 
1966 Abstand
Regie, Drehbuch, Schnitt