Marcel Ophüls

Marcel Ophüls

Weitere Namen: Marcel Ophuls (Weiterer Name); Marcel Wall-Ophüls (Weiterer Name)
Darsteller, Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch, Produzent
*01.11.1927 Frankfurt am Main

Biografie

Der Sohn des Film- und Theaterregisseurs Max Ophüls wächst ab 1932 in Paris (1938 französischer Staatsbürger) und ab 1941 in Kalifornien auf, wo sein Vater im Exil lebt. Besuch der Hollywood High School, Militärdienst bei den Besatzungstruppen in Japan (1950 US-Bürger), Studium an der University of California und ab 1951 an der Sorbonne in Paris. Unter dem Pseudonym "Marcel Wall" (nach dem Geburtsnamen seiner Mutter) arbeitet er als Regie-Assistent von John Huston ("Moulin Rouge"), Anatole Litvak ("Un acte d‘amour"), Julien Duvivier ("Marianne de ma jeunesse") und seinem Vater ("Lola Montès").

1956–59 ist er Hörfunk- und Fernseh-Redakteur beim Südwestfunk in Baden-Baden, dreht 1957 erste Kurzfilme. Ab 1960 arbeitet er wieder in Paris und realisiert den deutschen Beitrag zum internationalen Episodenfilm "L’Amour à vingt ans" (1961/62).

Mit Unterstützung von François Truffaut kann er 1963 im Rahmen der Nouvelle Vague den Spielfilm "Peau de banane" mit Jeanne Moreau und Jean-Paul Belmondo inszenieren. Nach der Eddie Constantine-Komödie "Faites vos jeux, mesdames" (1964) wechselt er wieder zum Dokumentarfilm und arbeitet als Fernsehjournalist, u.a. 1966–68 als Regisseur der Nachrichtensendung Zoom.

Mit "Munich, ou La paix pour cent ans" dreht er 1967 für das französische Fernsehen seine erste lange Erkundung der Krisen des 20. Jahrhunderts, hier eine Rekonstruktion des Münchner Abkommens 1938; vor dessen Hintergrund spielt auch der 1970 inszenierte TV-Film "Zwei ganze Tage". "Wir wollen uns ein Luftschloss bauen" (nach der Komödie von Sacha Guitry).

Als Redakteur beim Norddeutschen Rundfunk (1968–71) erarbeitet er in Co-Produktion mit dem Schweizer Fernsehen "Das Haus nebenan – Chronik einer französischen Stadt im Kriege" (1969), eine 4½-stündige TV-Dokumentation über Kollaboration und Résistance in der französischen Stadt Clermont-Ferrand unter der deutschen Besatzung, die in Frankreich wie in Deutschland auf Widerstand stößt. Wie viele seiner Dokumentationen – denen oft vorgeworfen wird, chaotisch und überladen zu sein, und dass sich der Filmmacher zu sehr in den Vordergrund schiebt – wird der Film zunächst nur verstümmelt aufgeführt.

Nachdem er 1973/74 in den USA als Staff Producer bei CBS News, dann ABC News gearbeitet hat, untersucht er in "The Memory of Justice" (1973–75) anhand des Nürnberger Prozesses Kriegsverbrechen von den Nazis über die Bombardierung Dresdens bis zu den Kolonialkriegen in Algerien und Vietnam. Seine britischen Produzenten (u.a. David Puttnam) wollen Ophüls ablösen, er kann jedoch eine Kopie nach New York schmuggeln und so eine Freigabe der Original-Version erreichen.

1979 kehrt er nach Europa zurück. In "Hotel Terminus" (1988), für den er einen Oscar erhält, berichtet Ophüls über das Leben des Gestapo-Manns Klaus Barbie. "Novembertage – Stimmen und Wege" (1989/90) geht Schicksalen einiger Menschen während und nach dem Fall der Berliner Mauer nach. In "Veillées d’armes" (1994) porträtiert Ophüls Kriegskorrespondenten in Sarajewo.

© hmbock

Filmografie

1993/1994 Die Geschichte der Kriegsberichterstattung
Sprecher, Regie, Drehbuch, Kommentar, Interviews
 
1989/1990 Novembertage - Stimmen und Wege
Regie, Drehbuch
 
1985-1988 Hotel Terminus: The Life and Times of Klaus Barbie
Regie, Drehbuch, Producer
 
1982/1983 Das schöne irre Judenmädchen
Darsteller
 
1981/1982 Festspiele
Darsteller, Regie, Drehbuch
 
1980 Kortnergeschichten
Regie, Drehbuch
 
1979/1980 Egon Schiele - Exzesse
Darsteller
 
1973-1976 Nicht schuldig?
Regie, Drehbuch
 
1972 A Sense of Loss
Regie, Drehbuch, Produzent
 
1970 Die Ernte von My Lai - Auswirkungen eines Massakers
Regie, Drehbuch
 
1970 Auf der Suche nach meinem Amerika
Regie, Drehbuch
 
1970 Clavigo
Regie
 
1968/1969 Das Haus nebenan - Chronik einer französischen Stadt im Kriege
Regie, Drehbuch, Interviews
 
1967 Hundert Jahre ohne Krieg - Das Münchener Abkommen von 1938
Regie, Drehbuch
 
1963 Peau de banane
Regie, Drehbuch
 
1961/1962 L'Amour à vingt ans. 5. Episode: München
Regie, Drehbuch
 
1961/1962 Liebe mit zwanzig
Regie, Drehbuch
 
1955/1956 Lola Montez
Darsteller, Regie-Assistenz
 
1955 Lola Montès
Darsteller, Regie-Assistenz
 
1954/1955 Marianne
Regie-Assistenz, Dialog-Regie
 
1954/1955 Marianne de ma jeunesse
Regie-Assistenz
 
1952 Traumschöne Nacht
Regie-Volontär
 
1952 Plaisirs de Paris
Regie-Volontär
 
1951/1952 Das Geheimnis vom Bergsee
Regie-Assistenz
 
1951/1952 La fille au fouet
Regie-Assistenz
 

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